Arzt-Patienten-Kommunikation

Hilfe ohne Heilung: Der Umgang mit dem Tod

Dem Tod begegnen wir alle im Laufe des Lebens – die einen häufiger, die anderen weniger. Als Arzt oder Ärztin wirst du wahrscheinlich häufiger damit konfrontiert – vielleicht schon während des Praktischen Jahres im Krankenhaus und je nach Fachrichtung auch in der Niederlassung. Doch wie kann man Patienten helfen, die nicht mehr geheilt werden können, und wie kannst du am besten damit umgehen?

Eine sterbenskranke Frau liegt in einem Krankenhausbett.
Je nach Fachrichtung ist es wahrscheinlich, dass du auch sterbenskranke Patienten behandeln musst. ©iStock/ KatarzynaBialasiewicz

Lesedauer: 4 Minuten

Als Arzt oder Ärztin heilst du Erkrankungen und rettest deinen Patienten bei schweren Krankheiten das Leben. Doch manchmal ist alles, was du tun kannst, Schmerzen zu nehmen. So viel Lebensqualität wie möglich zu erhalten, bevor Patienten schließlich sterben – eine belastende Situation, oder? »Die Behandlung von sterbenden Menschen ist nicht immer traurig«, erzählt Dr. Claudia Levin, Fachärztin für Palliativmedizin und Lehrbeauftragte an der TU München. »Schließlich haben wir als Ärztinnen und Ärzte die Möglichkeit, dem Patienten jeden Tag so schön wie möglich zu machen.« In solchen Fällen ist aber nicht nur medizinisches Wissen gefragt. Besonders bei der Behandlung von Sterbenskranken ist es wichtig, mit einem starken Maß an Empathie zu handeln und deinen Patienten mit Einfühlungsvermögen zu begegnen. Zuhören und Mut machen können helfen. Noch wichtiger ist es aber, genau zu erfassen, in welcher Situation sich der Sterbende momentan befindet. Wo liegt die Not? Wie kann überhaupt kommuniziert werden? Was ist ihm im Moment das Wichtigste und was will er nicht? »Häufig haben Patienten Angst, dass man Dinge mit ihnen tut, die sie gar nicht wollen.« Dann hilft es, ihnen die Sicherheit zu geben, dass man sich nach ihren Wünschen richtet. »Und das auch, wenn er sich gegen den ärztlichen Rat richtet. Dieser Respekt vor dem Sterbenden ist wichtig.«

Wie überbringt man die Nachricht?

Der Respekt fängt schon bei der Überbringung der schlechten Nachricht an – immerhin wirst du in vielen Situationen die erste Person sein, die Patienten auf ihren baldigen Tod anspricht und darauf vorbereiten wird. Eine schwere Aufgabe. Doch es gibt einige Hilfestellungen, die Ärztinnen und Ärzten die richtigen Worte finden lassen und etwas Last von den Schultern nehmen. Eine davon ist das sogenannte SPIKES-Modell, das sechs Schritte zum Überbringen schlechter Nachrichten empfiehlt:

  • Wähle eine ruhige Umgebung für das Gespräch aus. Setze dich und sorge dafür, dass ihr nicht unterbrochen werdet.
  • Frage den Patienten, wie er seine Situation wahrnimmt. So kannst du Missverständnisse aufklären.
  • Überlege, wie aufnahmefähig der Patient sein wird. Kann er alle Diagnosen und Testergebnisse erfassen? Oder ist es besser, diese nur zu skizzieren und den Fokus auf den Behandlungsplan zu setzen. Sage deinem Patienten, dass ihr auch später noch darüber sprechen könnt.
  • Vermeide zu viel Direktheit und Fachsprache. Teile deinem Patienten die Nachricht in kleinen Einheiten mit, gib ihm Zeit, diese zu erfassen und zu verarbeiten.
  • Signalisiere deine Unterstützung und lass dem Patienten den Raum, seine Gedanken auszusprechen.
  • Abhängig vom Befinden des Patienten kannst du das weitere Vorgehen besprechen und auf Patientenwünsche eingehen.

So kannst du dich orientieren, um deinen Patienten das Wichtigste zu vermitteln, deine Unterstützung zu signalisieren und gemeinsam einen Behandlungsplan zu entwickeln.

Was macht das mit den Behandelnden?

Der Patient ist soweit versorgt – aber was macht es mit Ärztinnen und Ärzten, wenn sie wissen, dass sie den Kampf gegen den Tod nicht gewinnen können? »Die Emotion wird einen immer erreichen«, so Dr. Levin. Denn: »Bedacht mit dem Tod umgehen kann man nie.« Deshalb ist es wichtig, dass du dir bewusst machst, dass du alles Menschenmögliche tust oder getan hast, um deinen Patienten die letzte Zeit so angenehm wie möglich gemacht zu haben. Dass du auf seine Wünsche eingegangen bist, seine Entscheidungen respektiert hast und ihm Schmerzen genommen hast. Und dem Patienten genau so in seinen letzten Wochen, Tagen oder Stunden geholfen hast.

 

 

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