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Die News-Visite (Folge 9): Lernen, Liebe, Landarztquote

Gibt es eigentlich noch irgendwelche medizinischen Entwicklungen, die nichts mit Corona zu tun haben? Ja klar – auf dem Land, in der Lehre und im Fernsehen. Welche? Das erfährst du in der News-Visite – dem ersten garantiert unvollständigen News-Format für junge Medizin.

Eine junge Ärztin sitzt auf dem Boden. Ihre Maske ist vom Gesicht gezogen und sie schaut verträumt geradeaus.
Auch in Zeiten von Corona tut sich in der Medizin so einiges. ©unsplash/vladimir-fedotov

Lesedauer: 5 Minuten 

+++ Bei aller Liebe +++ 

Gute Nachrichten: »In aller Freundschaft – Die jungen Ärzte« geht bald weiter. Bis Mai pausiert die beliebte Serie noch, doch dann ist Florian Frowein mit von der Partie. Serienfans kennen ihn: Drei Jahre lang hat er für die Serie »Sturm der Liebe« vor der Kamera den Tim Saalfeld gegeben (und seinen Zwillingsbruder). Jetzt wechselt er vom Fürstenhof zum Johannes-Thal-Klinikum in Erfurt. 

+++ Utopie in der Uckermark +++ 

Wie schön muss die Landmedizin sein. Da hat man noch Zeit für seine Patientinnen und Patienten und schlendert von Termin zu Termin, vorbei an pittoresk gelegenen Höfen, von Bienen umsummten Fallobstwiesen und brandenburgischen Seen, die etwas zu doll in der Sonne glitzern. Was klingt wie ein Wunschbild, das sich einem übernächtigten PJler während der Nachtschicht offenbart, ist das Setting der neuen medizinischen ZDF-Serie »Doktor Ballouz«, die im April an den Start geht. Der Protagonist und Namensgeber, verkörpert von Merab Ninidze, verfügt über einen Trabi, einen Trenchcoat und über eine für einen Krankenhauschef ungewöhnliche – und gänzlich unwirtschaftliche – Gelassenheit. Man wird ja noch träumen dürfen. Was die neue Serie aber auch ist: eine Liebeserklärung an die Landmedizin, die Menschen auf dem Land und die Uhren, die dort tatsächlich etwas langsamer ticken als in einem Großstadtklinikum. 

+++ Mit Netz und doppelter Quote +++

Doch es muss nicht bei romantisierenden Bildern bleiben, um junge Ärztinnen und Ärzte für die Landmedizin zu begeistern. In Sachsen-Anhalt, dem Nachbarland von Ballouz und seiner Crew – wurde bereits letztes Jahr eine Landarztquote eingeführt. Das Fazit, ein Jahr danach? Mehr als positiv! »Insgesamt 277 Bewerbungen im letzten Jahr und diejenigen, die eine Zulassung erhalten haben, berichten, dass es eine der besten Entscheidungen des Lebens war, sich über die Landarztquote zu bewerben. Auch das Feedback der Studierenden gibt uns recht: Die Landarztquote ist der richtige Weg«, sagt Jörg Böhme, Vorstandsvorsitzender der KV Sachsen-Anhalt.

Eine andere Idee hatte das aus 44 Ärztinnen, Ärzten und Psychotherapeutinnen und -therapeuten bestehende Netzwerk MainArzt in Ochsenfurt: medizinische Versorgungszentren (MVZ). Was erst einmal nach einem alten Hut klingt, ist in diesem Fall allerdings ein Novum, denn normalerweise werden MVZ von Kliniken, Klinikverbünden oder auch Kommunen gegründet. Als die im Ochsenfurter Mainärztehaus praktizierende Kinderärztin aufhören wollte und keine Nachfolge fand, war allerdings Eigenregie angesagt. Das Netzwerk gründete prompt ein MVZ für den Bereich Kinderheilkunde. Der Arztsitz blieb erhalten und die Orga teilen sich drei Kinderärztinnen nun vor Ort. MVZ scheinen übrigens so ein Bayern-Ding zu sein: Seit 2016 ist die Anzahl stetig gestiegen – von 432 auf 758.  

+++ Seltene Erkrankungen – und wo sie zu behandeln sind +++

Landarztmangel ist aber natürlich nicht das einzige Problem, wofür kluge Lösungen erforderlich sind. Zum Beispiel: Beschwerden, die einem nicht täglich in der Hausarztpraxis begegnen. Daher gibt es Zentren für Seltene Erkrankungen (ZSE) als Anlaufstelle für ... nun ja, seltene Erkrankungen. Viele von ihnen bieten schon seit einer Weile telemedizinische Sprechstunden an – was natürlich etwas dauerte, weil die technischen Voraussetzungen geschaffen und Datenschutzfragen geklärt werden mussten. Diese Vorarbeit erwies sich mit Beginn der Corona-Pandemie als Vorteil, denn das bestehende Angebot ließ sich rasch ausweiten und ermöglicht im Lockdown eine individualisierte Betreuung mit Terminen im ZSE oder einer telemedizinischen Vorstellung. Ein weiterer positiver Effekt der Digitalisierung: Virtuelle Fortbildungen und Kongresse für Ärztinnen und Ärzte sowie für Menschen mit einer seltenen Erkrankung können etabliert werden.  

+++ Missbrauchte Medizin +++

Ob im ZSE, MVZ oder JWD: Der Beginn aller medizinischen Lösungen sind natürlich fitte Ärztinnen und Ärzte. Während wir aber den hippokratischen Eid vom ersten Semester an lernen und verinnerlichen, erfährt man im Lehrplan über die Verstöße dagegen oft erstaunlich wenig. Und gerade in Deutschland wurde bekanntlich exzessiv dagegen verstoßen. Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, will dieses Thema daher in der Approbationsordnung verankern lassen, damit angehende Ärztinnen und Ärzte im Studium mehr Wissen über den Missbrauch der Medizin während des Nationalsozialismus vermittelt bekommen. Zu viele Medizinerinnen und Mediziner hätten unzureichende Kenntnisse über die Rolle der Medizin im Dritten Reich, sagt Klein – besonders in ethischen Fragen.   

 

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