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Die News-Visite (Folge 7): Alles bleibt anders

Was bringt der Herbst? Neben vielen Unsicherheiten auch viel Gutes: ein Erstarken der Telemedizin. Medizinische Fakultäten, die ihren Job offenbar ziemlich gut machen. Und einen Eishockey-Spieler, der Arzt wird. Diese und weitere Nachrichten erwarten dich in der News-Visite – dem ersten garantiert unvollständigen News-Format für junge Medizin.

Lesedauer: 5 Minuten 

+++ Medizinische Serien / Landarztquote / Semesterbeginn +++

Dieses Jahr ist alles anders und auch der Herbst bringt ein paar Veränderungen mit. Die Rolle der Gynäkologin Dr. Ina Schulte, die den Fans der Serie »In aller Freundschaft« bereits aus Gastrollen bekannt ist, zieht in den Hauptcast ein und ist dauerhaft in der Sachsenklinik am Start. Das Bundesfamilienministerium (BMFSJ) hat die Macher von »Fack Ju Göthe« mit der fünfteiligen Mini-Serie »Ehrenpflegas« beauftragt, um die generalistische Pflegeausbildung unter Jugendlichen bekannter zu machen – »voll systemrelevant und so« (O-Ton aus Folge 1). Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) ist not amused und distanziert sich. Und an den Universitäten hat das Semester begonnen – auch etwas anders als sonst. In Bayern zum Beispiel heißt es dieses Jahr für 5,8 Prozent der Studienplätze an den sieben medizini­schen Fakultäten: Hier ist reserviert. Nämlich für Studierende, die sich im Auswahlverfahren für die Land­arztquote beworben haben. Das Modell gibt es bereits in Nordrhein-Westfalen. Der Deal: Medizinstudium auch ohne Einserschnitt und dafür die Verpflichtung, im Anschluss mindestens zehn Jahre als Hausärztin oder Hausarzt auf dem Land zu arbeiten. Rund 100 angehenden Landärztinnen und Landärzten gefällt das. Nach Angaben des Gesundheits­ministe­ri­ums handelt es sich größtenteils um Pflegekräfte und Notfallsanitäterinnen und ‑sanitäter. Auch der Eishockey-Oberligaspieler Leopold Tausch hat kurzfristig für das Herbstsemester einen Studienplatz für ein Medizinstudium erhalten und verlässt dafür die »Regensburger Eisbären« – ob auch er Landarzt wird, ist nicht bekannt.

+++ Wie eine Fakultät in der Brandung +++

Während das neue Semester begonnen hat, fragt sich manch einer und eine: Wie geht’s eigentlich weiter mit dem Medizinstudium in Corona-Zeiten? Ein Blick zurück auf das vergangene, äußerst ungewöhnliche Semester sorgt für zumindest etwas Erleichterung, denn: Lehrende haben sich mit neuen Unterrichtsformaten vertraut gemacht und universi­täre Gremien haben flexible Lösungen gefunden. Das sagt zumindest die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd). Es sei versucht worden, ein voll­wertiges Semester unter den besonderen Umständen zu bieten: »Zu Beginn der Kontaktbeschränkungen konnte innerhalb kürzester Zeit eine Umstellung auf digitale Lehrmethoden beobachtet werden, wie es vor einem Jahr noch kaum vorstell­bar gewesen wäre.«

+++ Zusammen ist man weniger analog +++

Auch wenn die bvmd voll des Lobes bezüglich der Bemühungen der medizinischen Fakultäten ist, stellt sie fest: »Das volle Potenzial der Digitalisierung wurde dabei bei weitem noch nicht ausge­schöpft.« Wie sieht’s denn da eigentlich in der Praxis aus? Man kann sagen: Da geht was! Die Telemedizin lernt laufen und die Schritte werden immer sicherer. Beispielsweise werden Telekonsilien ausgeweitet. 

Wir erinnern uns: Ein Telekonsilium ist eine Art Videokonferenz. Korrekter: die zeitgleiche oder zeitversetzte Kommunikation zwischen Ärztin oder Arzt A, die oder der Kollegin oder Kollege B um Rat fragt – das ist dann die sogenannte Konsiliarärztin oder der Konsiliararzt. Beide tauschen sich über eine patientenbezogene, medizinische Fragestellung aus. Möglich ist auch ein Videokonsilium, an dem die Patientin oder der Patient teilnimmt. Im Oktober wurden mehrere neue Leistungen in den einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) aufgenommen. Bisher waren Telekonsilien auf die Befundbeurteilungen von Röntgen- und CT-Aufnahmen beschränkt gewesen. Jetzt können Ärztinnen und Ärzte bei unterschiedlichen fach­lichen Fragestellungen ambulant oder statio­när tätige Kollegin oder einen Kollegen digital zu Rate ziehen.

Eine weitere digitale Neuerung bahnt sich an und wird Anfang 2021 in die Praxen flattern. Die elektronische Patientenakte (ePA) soll als »erweiterter Feldtest« beginnen. Laut den gesetzlichen Regelungen müssen die Krankenkassen ihren Versicherten ab dem 1. Januar 2021 eine ePA anbieten. Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte müssen die ePA bis zum 30. Juni 2021 technisch in den Praxen verarbeiten können.

+++ Patient Erde +++

Während – auch über die Grenzen der Medizin hinweg – dieses Jahr naheliegenderweise digitale Lösungen weiter in den Fokus gerückt sind, ist es um den Umweltschutz etwas stiller geworden als im letzten Jahr. Schließlich gilt es, gerade eine Pandemie zu bekämpfen. Aus den Augen, aus dem Sinn? Nicht in der Medizin. Zumindest setzen sich Ärztinnen und Ärzte und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland gerade dafür ein, dem Gelöbnis für Gesundheitsberufe im Geist des hippokratischen Eids ein ökotaugliches Update zu verschaffen. Ein Vorschlag, der in der »Lancet« zu lesen war: Das Prinzip des »primum non nocere« – vor allem keinen Schaden zufügen – müsse erweitert und auf die Umwelt bezogen werden. In dem Entwurf befindet sich daher auch der Schwur, »mein Leben in den Dienst der Menschheit zu stellen und die natürlichen Lebensgrundlagen zu schützen, von denen die menschliche Gesundheit abhängt«.

Apropos schwören: Verschwurbelte Verschwörungsmythen erfreuen sich inmitten der Corona-Pandemie in erschreckend großen Teilen der Bevölkerung einer hohen Beliebtheit. Wo hinter Impfungen sinistere Pläne vermutet werden und COVID-19 geleugnet wird, haben es Ärztinnen und Ärzte im Alltag nicht immer einfach. Ein deutsches Phänomen? Nein. Eine Umfrage der Royal Society Open Science in fünf Ländern zeichnet das Bild eines internationalen Trends. Die Behauptung, das Virus sei in einem Labor in Wuhan von Forschern erzeugt worden, bewerteten beispielsweise 37 Prozent der Befragten in Spanien als vertrauenswürdig.

Auch die berüchtigte 5G-Verschwörung, nach der die Sendemasten die COVID-19-Symptome verstärken, hatte mit 16 Prozent der Befragten in Spanien die meisten Anhängerinnen und Anhänger.

+++ King Kong und der weiße Kittel +++

Die Frage ist: Was hat Christian Drosten damit zu tun? Nein, eigentlich stellt sich die Frage nicht. Wahrscheinlich herzlich wenig. Neben vielen Behauptungen und Unwahrheiten gibt es aber auch zumindest einen neuen Fakt, der vielen Anhängerinnen und Anhängern von Verschwörungsmythen bestimmt sauer aufstößt: Als er im Sommer die BILD-Zeitung ziemlich blöd hat dastehen lassen, hat er damit unfreiwillig die Punkband ZSK inspiriert, die ihm und seiner BILD-Watsche den Titel »Ich habe Besseres zu tun« gewidmet hat. Christian Drosten spielt selbst E-Gitarre und hat der Band versprochen, das Lied gemeinsam live auf der Bühne zu spielen, wenn die Corona-Pandemie vorbei ist. Er ist übrigens nicht der einzige Virologe mit einem Faible für heftige Musik: Virologe Hendrik Streeck erzählte in der WDR-Talkshow »Kölner Treff« neulich, dass er Cello und Saxophon spielt und bereits »King-Kong-Filmmusik« fürs Cello komponiert hat. Abends könne er richtig abschalten, wenn sein Hundewelpe ihn empfängt. Aww! So viel Menschlichkeit sollte dann auch den letzten Alu-Hut zum Schmelzen bringen.

 

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