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Die News-Visite (Folge 4): Sag mir, wo die Ärzte sind

Wo werden Ärztinnen und Ärzte gerade besonders knapp. Mit welchen Ideen wird versucht, sie aufs Land zu holen? Und wie können sich Praxen vor Telefonstress schützen? Du erfährst es in der News-Visite – dem ersten garantiert unvollständigen News-Format für junge Medizin.

Lesedauer: 4 Minuten 

+++ Zufriedenste Fachrichtung / Fördermöglichkeiten / Praxisassistent +++

Hast du dich auch schon einmal gefragt, wo Ärztinnen und Ärzte am glücklichsten sind? Die glücklichste Stadt der Welt ist auf jeden Fall, wenn es nach einer aktuellen Befragung von 32.000 Leserinnen und Lesern des Time Out-Magazins geht, Melbourne in Australien. Und wer sind die glücklichsten Ärztinnen und Ärzte? Einer Umfrage unter 14.000 Ärztinnen und Ärzten aus über 30 Fachrichtungen zufolge sind es Urologen und Urologinnen (was ja auch irgendwie zu Down Under passt, aber lassen wir das). Da anscheinend leider keine Stadt in Deutschland ein derart hochgelobtes Gemeinschaftsgefühl und so tolle Crossaints wie Melbourne zu bieten hat, lohnt es sich zu schauen, wie hierzulande versucht wird, Ärztinnen und Ärzte für die jeweiligen Bundesländer zu begeistern.

+++ Viel Gegend, viel Unterstützung +++

Beispiel Niedersachsen: Hier will die KVN (Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen) mit einer umfassenden Kampagne das Interesse unter Ärztinnen und Ärzten wecken. Das umfassende Paket zur Niederlassungsförderung ist schon seit Jahren geschnürt, jetzt erfährt es aber endlich die Aufmerksamkeit, die es verdient hat. Für Studis beispielsweise vermittelt die KVN Famulaturen, Stellen für das praktische Jahr und Weiterbildungsplätze. Sie fördert auch finanziell. Die Facharztausbildung wird in Niedersachsen ebenfalls finanziell unterstützt, aber darüber hinaus gibt’s auch Weiterbildungsangebote durch das Kompetenzzentrum für Allgemeinmedizin. Außerdem werden Niederlassungsseminare angeboten. Und: Ein Verbund mit regionalen Wirtschaftsverbänden legt sich ins Zeug, damit im Standort Niedersachsen demnächst richtig Musik drin ist.

+++ Per Sachsen-Anhalter durch die Praxis +++

Auch für eine Niederlassung in Sachsen-Anhalt gibt es einige Gründe: Auf der einen Seite ist die Niederlassung dort besonders günstig. Im bundesweiten Vergleich ist das Kostenniveau in Sachsen-Anhalt im Schnitt 30 Prozent günstiger als die Durchschnittskosten in Deutschland – auf Platz zwei und drei folgen Sachsen (26 Prozent) und Thüringen (24 Prozent). Auf der anderen Seite hat sich die KV Sachsen-Anhalt da mal was überlegt: eine bessere Vergütung zum Beispiel. Bis zu 800 Euro pro Monat können Medizinstudierende bekommen, wenn sie sich verpflichten, nach dem Studium für wenigstens zwei Jahre in einer ländlichen Region in Sachsen-Anhalt zu praktizieren. Was so lala anlief (13 interessierte Stipendiaten im Jahr 2015), erfreut sich nun mit 105 Interessierten hoher Beliebtheit. Es bleibt zu hoffen, dass die Finanzspritze dabei hilft, Ärztinnen und Ärzte nach Sachsen-Anhalt zu locken. Theoretisch könnten sich in dem Bundesland jetzt sofort 150 Hausärztinnen- und ärzte niederlassen. Das wäre auch nötig, denn dort gib es besonders viele Ärztinnen und Ärzte, die kurz vor der Rente stehen oder eigentlich schon im Ruhestandsalter sind.

Wo wir gerade bei Ärzten sind: Die Berliner Band Die Ärzte hat neulich ganz am Rande im Rahmen der Klimastreiks gedroppt, dass sie an ihrem ersten Album seit fast acht Jahren arbeiten. In der Theorie könnte das nächste Jahr für Fans also ein richtiges Highlight werden.

+++ »Aaron, übernehmen Sie« +++

In der Praxis bahnt sich ebenfalls ein Highlight an – zumindest für alle, die sich im Alltag digitale Neuerung wünschen: Beim Ideenwettbewerb der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, der »KBV-Zukunftspraxis«, hat »Aaron.ai« gewonnen, ein Programm des gleichnamigen Berliner Start-ups. Hierbei handelt es sich um einen künstlichen Mitarbeiter am Telefon. Er ist für folgende Situation gemacht: Das Wartezimmer platzt aus allen Nähten, das Telefon klingelt heiß und der Arzt oder die Ärztin und die Angestellten fassen sich sehr kurz. Patienten beschweren sich, telefonisch nicht durchzukommen oder wünschen sich, man würde sich mehr Zeit für sie nehmen. »Aaron.ai« soll die Praxis unterstützen, indem er Anrufe entgegennimmt. Wenn jemand anruft, prüft er, ob jemand zu sprechen ist. Falls nicht, übernimmt er selbst: Zu Beginn fragt »Aaron.ai« gemäß DSGVO, ob der Anrufer mit der Aufzeichnung einverstanden ist. Antwortet der Patient mit »Ja«, wird das Gespräch mitgeschnitten und gespeichert, sowohl als Tonspur als auch schriftlich. Wenn der Anrufer nicht einverstanden ist, wird der Dialog nur schriftlich erfasst. Richard von Schaewen, einer der Gründer des Start-ups, ist vor allem davon überzeugt, dass der der Assistent Zeit spart. Ihm zufolge erzählen die Anrufer dann nämlich keine Romane, sondern kommunzieren zielgerichtet. Sagen Patienten, es gehe um einen Notfall, weist der Assistent darauf hin, dass der Bereitschaftsdienst oder die 112 gewählt werden sollten. Einziger Haken an dem Tool: Noch hat die Spracherkennung ein paar Kinderkrankheiten und kann starke Dialekte, Akzente und Nuscheln derzeit noch nicht erkennen. Und das als Berliner Produkt.