Aktuelles

Die News-Visite (Folge 3): Wake me up when Semester begins

Warum wollen gerade so viele in Augsburg Medizin studieren? Warum waren Schweizer Medizinstudierende zu Semesterbeginn stinksauer? Und was treibt in Berlin Ärztinnen und Ärzte auf die Straße? Du erfährst es in der aktuellen Newsvisite – dem ersten garantiert unvollständigen News-Format für junge Medizin.

Lesedauer: 4 Minuten 

+++ Semesterstart / Lern-Podcast / Health for Future +++

Gefühlt ist gerade erst der Sommer vergangen und zack! – ist auch schon wieder das neue Semester da.

Das kam für manch einen überraschend. Beispielsweise für die Uni Augsburg, wo die Medizinfakultät jetzt ihren Lehrbetrieb aufgenommen hat. Das Gebäude wurde gerade noch fertig. Gut so, denn hier startet der Modellstudiengang Humanmedizin, der in seiner Form einmalig ist. Das Medizinstudium in Augsburg ist mit hohen Erwartungen verknüpft und das Interesse an dem neuen Angebot war dementsprechend schon im Vorfeld enorm. Mit über 8.000 Studieninteressierten sah sich die Uni tatsächlich mit einer Bewerberzahl von biblischem Ausmaß konfrontiert. Für mehr als 900 der Bewerber war der Standort Augsburg die erste Wahl. Warum der Augsburg-Hype? Vor allem, weil die klassischen Fächer aufgebrochen werden, die Studierenden viele praktische Erfahrungen sammeln können sollen und besonderer Wert auf wissenschaftliche Ausbildung und Forschung gelegt wird. In den Genuss kommen letztendlich in diesem Semester 84 Studierende.

+++ Hat’s da noch a Bänkli? +++

Studiengänge mit 84 Teilnehmenden – das nennt man in der Schweiz vermutlich »Arbeitsgruppe«. Zumindest haben die Studierenden an der Uni Lausanne derzeit mit extremer Platznot zu kämpfen, denn hier sind dieses Jahr besonders viele Medizinstudierende eingeschrieben. Was macht man, wenn die Räumlichkeiten für 500 Personen angelegt sind, aber von 730 besucht werden? Richtig, man entfernt alle Tische und stellt zusätzliche Stühle auf. Die dann auch als Tisch dienen. Oder der eigene Oberschenkel musste es richten, wenn man Notizen machen möchte. Die Studierenden waren verständlicherweise not amused und beklagten die Lernbedingungen. Die Uni versprach Besserung und gab an, die Vorlesung mit einem »Live-Übertragungsgerät« (was immer das ist) in einen nahgelegenen Raum zu übertragen.

+++ Wer nicht lernen kann, muss hören +++

Während man mit technischen Lösungen dieser Art in unserem äußerst bergigen Nachbarland noch etwas tapsig unterwegs ist, ist die Kreativität im sehr flachen Niedersachsen diesbezüglich umso höher: Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen bietet Ärztinnen und Ärzten sowie Medizinstudierenden nämlich Podcasts an, um sich leichter Wissen anzueignen. Im Dialogvortrag sozusagen. Sicherlich ein nicer Move für alle, die wenig Zeit haben (Ärztinnen, Ärzte und Medizinstudierende eben). Bislang ist eine Fortbildung zum Thema Biosimilars in dem Format erschienen. Vielleicht lassen sich in Zukunft ja bekannte und beliebte Podcasterinnen und Podcaster für medizinische Nischenpodcasts finden – Olli Schulz und Jan Böhmerman mit dem »Fest und Flauschig«-Spin-Off »Ungezwungen und urologisch« zum Beispiel?

+++ 14 Jahre Drama +++

Fest steht aber auch, dass kaum ein »medizinisches« Format schon so lange geliebt wird wie »Grey’s Anatomy«. Derzeit läuft in den USA die 16. Staffel. Auch im vierzehnten Jahr schalten in den USA pro Folge noch durchschnittlich zehn Millionen Menschen ein. Grey’s Anatomy bietet Antworten auf Fragen, mit denen sich leider nur die wenigsten medizinischen Fakultäten beschäftigen – beispielsweise, ob man eine Bombe im Bauch eines Patienten von der Detonation abhalten kann, in dem man seine Hand darauflegt oder darauf, was zu tun ist, wenn in einem Patienten ein Baum wächst.

+++ Demonstrieren macht KLUG +++

Apropos Bäume und Medizin: Dass unser Ökosystem ein Riesenproblem hat, hat sich mittlerweile dann doch herumgesprochen (mit kaum nennenswerten Startschwierigkeiten von mehreren Jahrzehnten). Nun sind es nicht mehr ausschließlich Schülerinnen und Schüler, die auf den Klimawandel aufmerksam machen, wie die Bewegung »Health for Future« zeigt – eine Initiative  der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG), worunter sich Ärztinnen und Ärzte, Pflegende und Medizinstudierende befinden (auch die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e.V, kurz bvmd). Gemeinsam haben sie in Berlin zu tausenden für ihr Anliegen demonstriert. Das Anliegen: deutlich machen, dass ein intaktes Klima und ein ebenso intaktes Ökosystem unabdingbare Voraussetzungen für menschliche Gesundheit und Wohlergehen sind und wir dementsprechend gerade einen medizinischen Notfall erleben. Oder wie es drastisch auf den Plakaten hieß: »Die Erde ist kaputter als die Hüfte deiner Oma«. Konkrete Forderungen gibt’s aber natürlich auch: das Einhalten der Ziele des Pariser Abkommens, Klimaneutralität bis 2035 und dass die Themen Klimawandel und Gesundheit in den Curricula der Aus-, Fort- und Weiterbildungen der Gesundheitsberufe verpflichtend verankert werden. Aber auch wenn das noch etwas dauern wird, ist davon auszugehen, dass das neue Semester jetzt trotzdem nicht langweilig wird.