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Die News-Visite (Folge 6): Patienten, Praxen und Proteste

Wie zufrieden sind Patienten eigentlich mit ihren Ärztinnen und Ärzten? Treibt die Corona-Pandemie die digitale Medizin voran? Und: Warum protestieren Chirurginnen derzeit in Bikinis auf Instagram gegen eine neue Studie? Du erfährst es in der News-Visite – dem ersten garantiert unvollständigen News-Format für junge Medizin.

Lesedauer: 4 Minuten 

+++ Telemedizin / Patientenzufriedenheit / Gleichberechtigung in der Medizin +++

Die News-Visite ist zurück, nachdem in den letzten Monaten ein Thema die Medizinwelt dominiert hat – klar, COVID-19. 2020 wird nicht nur als Corona-Jahr in die Geschichte eingehen, sondern auch als das Jahr, in dem alles Mögliche und Unmögliche digitalisiert wurde. Zum Beispiel hat der Bundestag die Regelung erlassen, dass Aktiengesellschaften ihre Hauptversammlungen virtuell abhalten können. Und der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), gebildet aus den vier großen Selbstverwaltungsorganisationen im Gesundheitssystem, erließ zwischenzeitlich eine Ausnahmeregelung für AU-Bescheinigungen: Patienten mit Erkrankungen der oberen Atemwege konnten sich ohne vorherigen Besuch in der Praxis telefonisch krankschreiben lassen.

+++ Meine Oma geht im Internet zum Hausarzt +++

Die Telemedizin setzt sich immer weiter durch: Sie zählt zu den größten Fortschritten im Gesundheitswesen, die Umstände der Corona-Pandemie haben ihr einen zusätzlichen Schub verliehen.  Letzten Monat hat das höchste Entscheidungsgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung, der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), beschlossen, dass Ärztinnen und Ärzte ihre Patienten künftig auch per Video krankschreiben können. Voraussetzung hierfür ist, dass die Patientin oder der Patient schon mal da war und der Praxis bekannt ist. Dass immer mehr Patienten an dem Modell Videosprechstunde interessiert sind, ging aus einer repräsentativen Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) hervor. Telemedizin wird der Umfrage zufolge von 50 Prozent der Gesamtbevölkerung begrüßt. Besonders groß ist die Zustimmung bei Menschen, die während der Corona-Pandemie Erfahrung mit Home-Office gesammelt haben. Am deutlichsten ist der Meinungswandel bei den über 70-Jährigen. Im Dezember, also in der Krankheitshochsaison, standen nur 13 Prozent ihrer Generation der neuen Technologie positiv gegenüber. Nun befürwortet fast jeder dritte Mensch über 70 Jahren (29 Prozent) entsprechende Angebote.

+++ Der Patient, der mich liebte +++

Doch Patientinnen und Patienten reagieren nicht nur wohlwollend auf Telemedizin, sondern sind generell mehr als zufrieden mit ihren Hausärztinnen und -ärzten. Das war das Ergebnis einer Befragung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), die jedes Jahr gesetzlich und privat Versicherte nach Wartezeiten und ihrer Zufriedenheit mit ihren Ärztinnen und Ärzten befragt. Die meisten Befragten fanden, dass ihre Ärztinnen und Ärzte auch während der Corona-Pandemie (die Befragung fand im März und damit kurz vor der Corona-Hochphase in Deutschland statt) für sie da waren. Außerdem gaben 80 Prozent an, dass sie mit der Wartezeit auf ihren Termin keine Probleme hatten. Zwischen privat und gesetzlich versicherten Patienten gibt es bei den Wartezeiten auch kaum Unterschiede. Der Großteil der Befragten bezeichnet das Vertrauensverhältnis zum letztbesuchten Arzt als »gut« (38 Prozent) oder »sehr gut« (53 Prozent).

+++ Fire is the new medicine +++

Größer als in Praxen ist der Unterschied zum »Privaten« gerade im medizinischen Serienprogramm der Fernsehsender: Die Öffentlich-Rechtlichen haben für die Serien »In aller Freundschaft – Die jungen Ärzte« einen Starttermin für neue Folgen bekannt gegeben: der 25. August. Und die Freundschaft geht sogar noch weiter, denn die Dreharbeiten für das Tochterformat »Die Krankenschwestern« befinden sich in vollem Gange. Applaus, Applaus! Bei dem Privatsender ProSieben hingegen hat es sich für das Serien-Schwergewicht »Grey’s Anatomy« aufgrund eines mickrigen Marktanteils von 4,2 Prozent in der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen erstmal ausgegraut. Ersetzt wird die Serie – kein Scherz – durch das Spin-off »Seattle Firefighters – Die jungen Helden«. Keine Pointe.

+++ Die Bikinirevolution +++

Von Serien über »junge Helden« und »junge Ärzte« zu einem weiteren eher männlich dominierten Bereich: der Chirurgie. In den USA wollte ein Forschungsteam wissen: Wie viele junge Chirurginnen und Chirurgen posten eigentlich »unprofessionelle« Bilder von sich und ihrem Privatleben im Internet? Die Methodik hinterlässt eine Schneise der Verwunderung: Das Team versuchte, möglichst viele der 480 dem Institut bekannten Chirurginnen und Chirurgen auf Instagram, Facebook und Twitter ausfindig zu machen und scannte sie in Hinblick auf »potenziell unprofessionelles Verhalten«. Einer der Parameter: Posieren in Bikinis und Badesachen. Was Chirurginnen nun aber besonders auf die Palme bringt: Fotos von Frauen in Bikinis wurden als unprofessionell eingeschätzt und die von Männern in Badehosen nicht. Das Forschungsteam bestand übrigens – Surprise! – aus sechs Männern und einer Frau. Um die implizite Voreingenommenheit der Autoren und der Autorin, die Methodik, die fehlende Diversität, aber auch einen latenten Sexismus zu kritisieren, fluteten viele Ärztinnen und Ärzte sowie Krankenpflegerinnen und -pfleger die sozialen Medien unter dem Hashtag #medbikini mit Bildern von sich in Badekleidung – und verhinderten somit das geplante Erscheinen der Ergebnisse der Studie (»Prevalence of unprofessional social media content among young vascular surgeons«) in der Augustausgabe des »Journal of Vascular Surgery«.

 

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