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Hausarzt/Hausärztin: Fakten rund um die Allgemeinmedizin

Inhaltsverzeichnis

Arzt

Lesedauer: 10 Minuten 

Was ist Allgemeinmedizin?

Als ausgebildete:r Allgemeinmediziner:in sicherst du die Grundversorgung der Bevölkerung. Meist bist du als Hausarzt oder Hausärztin tätig und erste Ansprechperson für deine Patient:innen. Oft begleitest du diese ein Leben lang. Der Hausarzt oder die Hausärztin ist deshalb auch eine wichtige Vertrauensperson für viele Patient:innen, unabhängig von Alter und Art der Erkrankung.

Weiterbildung Allgemeinmedizin: So wirst du Hausarzt/Hausärztin

Nach deiner Approbation kannst du als Assistenzarzt oder -ärztin tätig sein und eine Weiterbildung zum Facharzt oder zur Fachärztin beginnen. Deine Ausbildung zum Facharzt oder zur Fachärztin für Allgemeinmedizin dauert in der Regel 60 Monate und besteht aus folgenden Bausteinen:

  • 24 Monate müssen in Allgemeinmedizin in der ambulanten hausärztlichen Versorgung geleistet werden.
  • Zwölf Monate müssen im Gebiet Innere Medizin in der stationären Akutversorgung geleistet werden.
  • Sechs Monate müssen in mindestens einem anderen Gebiet der unmittelbaren Patient:innenversorgung geleistet werden, zum Beispiel Chirurgie, Augenheilkunde, Gynäkologie oder Neurologie.
  • Bis zu 18 Monate Weiterbildung können zum Kompetenzerwerb in Gebieten der unmittelbaren Patient:innenversorgung erfolgen.
  • Ein 80-Stunden-Kurs in der psychosomatischen Grundversorgung ist zudem obligatorisch.
     

PJ in einer Hausarztpraxis

Wenn du dir einen Eindruck vom Berufsbild machen und erste Erfahrungen im Bereich der Allgemeinmedizin sammeln möchtest, bietet sich ein PJ in einer Hausarztpraxis an. Hier lernst du direkt unterschiedlichste Patient:innen sowie Erkrankungen kennen und erfüllst erste Aufgaben wie Blutabnahme, Fäden ziehen, Laborproben versenden oder Rezepte ausstellen.


Studium der Allgemeinmedizin

Wer seinen Facharzt oder seine Fachärztin für Allgemeinmedizin anstrebt, hat sich bereits entschieden. Viele Studierende aber wissen zu Beginn noch nicht, welche Ausbildung es sein soll. Da der Mangel an Hausärzt:innen in vielen Regionen immer größer wird, gibt es an einigen Unis spezielle Lehrangebote, die den Studierenden das Thema Allgemeinmedizin direkt vom ersten Semester an nahebringen. Lies hier, was das für Vorteile hat.

Welche Aufgaben hat ein Hausarzt/eine Hausärztin?

Das Berufsbild des Allgemeinmediziners oder der Allgemeinmedizinerin ist, wie der Name schon sagt, sehr vielfältig. Du bist erste Ansprechperson für deine Patient:innen, unabhängig von Alter, Geschlecht und Erkrankung. Dazu spielen neben der ausführlichen Anamnese auch die unterschiedlichsten Untersuchungen eine Rolle – seien es EKG, Blutabnahme, Ultraschall oder natürlich das Abhören bei Infekten. Auch eine Überweisung zu Fachärzt:innen gehört zu deinen Aufgaben. Gesundheitschecks, Impfungen, Ernährungsberatung, die Nachsorge bei schweren Erkrankungen oder die Begleitung bei einer dauerhaften Medikamenteneinnahme übernimmst du als Hausarzt oder Hausärztin ebenfalls. Zu den häufigsten Fragen in einer allgemeinmedizinischen Praxis gehören folgende Felder:

  • Herzkreislaufsystem wie Bluthochdruck oder Erkrankungen des Venensystems
  • Lymphgefäßsystem
  • Bewegungsapparat, vor allem Rückenschmerzen, Knieschmerzen oder Gelenkbeschwerden
  • Atemwegserkrankungen wie Asthma oder Bronchitis
  • akute Infektionserkrankungen
  • Stoffwechselerkrankungen

Praxisübernahme/Niederlassung für Hausärzt:innen

Du bist ausgebildeter Arzt oder ausgebildete Ärztin und möchtest dich mit einer eigenen Praxis niederlassen? Dann hast du die Wahl – denn es gibt diese zahlreichen Möglichkeiten für deine Niederlassung.
 

Wie bekomme ich eine Zulassung als Hausarzt/Hausärztin?

Hast du dich für eine Form der Niederlassung entschieden, geht es an den Zulassungsantrag. Hier erklären wir dir ganz einfach, welche Schritte auf dich warten, bis du deine Zulassung in der Tasche hast.
 

Kosten für eine hausärztliche Praxisgründung

Laut einer Existenzgründungsanalyse der apoBank und des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) müssen Hausärzt:innen für die Gründung einer Einzelpraxis in der Stadt durchschnittlich 117.600 Euro einkalkulieren. Hinzu kommen noch eventuelle Modernisierungs- und Ausstattungskosten, sodass ein Betrag von rund 170.000 Euro zusammenkommt. Auf dem Land dagegen fällt der Preis deutlich geringer aus.

Wie sind die Arbeitszeiten für Hausärzt:innen?

Das lässt sich so pauschal nicht beantworten, denn es kommt natürlich auch auf die Praxisform an, für die du dich entschieden hast. Da gibt es Unterschiede, wenn du in einer Gemeinschaftspraxis oder in einem Versorgungszentrum oder eben in deiner eigenen Einzelpraxis tätig bist. Als Hausärztin oder Hausarzt bist du oft, gerade für ältere Patient:innen, auch außerhalb deiner Sprechzeiten oder auf Hausbesuchen erste Ansprechperson. Gerade zu Beginn wirst du für die Arbeit am Schreibtisch auch noch etwas länger Zeit brauchen, das ist ganz normal. Dennoch gibt es viele flexible Arbeitszeit-Modelle in einer eigenen Niederlassung. Warum er nach langem Ausprobieren mit der eigenen hausärztlichen Praxis jetzt rundum glücklich ist, erzählt Dr. Michal Olszewski im Interview.

Landarzt/Landärztin werden

Die große Stadt ist nichts für dich? Dann ist eine Karriere als Landarzt oder Landärztin eine gute Option. So kannst du deine Praxis abseits vom Großstadtlärm eröffnen und hast häufig ein persönlicheres Verhältnis zu deinen Patient:innen. Ein weiterer Vorteil, den du für deine Praxisplanung im Kopf haben solltest: Die laufenden Kosten in ländlichen Regionen sind häufig niedriger als in der Stadt. Ursache sind sowohl die niedrigen Mieten als auch die Übernahme bestehender Praxen – denn die wird häufig von der Region oder sogar den übergebenden Ärzt:innen gefördert. 

Apropos Förderung: Entscheidest du dich früh für deinen Weg als Landarzt oder Landärztin, kannst du schon zu Studienbeginn mit satten Förderungen rechnen. Die Landarztquote ermöglicht es dir zum Beispiel, deine Chance auf einen der begehrten Medizinstudienplätze zu erhöhen. Ein Teil der Plätze muss in vielen Bundesländern an Interessenten vergeben werden, die sich nach Ausbildungsende für eine Tätigkeit in einem unterversorgten Gebiet verpflichten. Stand April 2022 gilt die Landarztquote in folgenden Bundesländern:

  • Baden-Württemberg
  • Bayern
  • Mecklenburg-Vorpommern
  • Nordrhein-Westfalen
  • Rheinland-Pfalz
  • Sachsen-Anhalt
  • Saarland

Förderung für Hausärzt:innen auf dem Land

In vielen Regionen ist ein Mangel an hausärztlicher Versorgung schon gegeben oder absehbar. Deshalb gibt es einige Fördermodelle, die junge Ärzt:innen das Leben auf dem Land oder in einer unterversorgten Region schmackhaft machen sollen. Die Landarztquote für Studierende ist nur ein Beispiel. Kannst du dir vorstellen, als Hausärztin oder Hausarzt auf dem Land zu arbeiten? Dann informiere dich hier über mögliche Förderungen
 

Der Hausärzteverband

Der Deutsche Hausärzteverband ist mit über 30.000 Mitgliedern der größte Berufsverband niedergelassener Ärzt:innen. Er setzt sich unter anderem für die Stärkung der hausärztlichen Versorgung ein und steht dir auch in Fragen rund um Fortbildungen und Weiterbildungen zur Seite.
 

Internist als Hausarzt oder Hausärztin

Internist:innen sind auf die inneren Organe, den Stoffwechsel und die blutbildenden Organe des Menschen spezialisiert. Häufig sind Hausärzt:innen auch internistisch ausgebildet. Denn eine hausärztliche Versorgung ist für Internist:innen durchaus möglich. Zudem wurde 2006 die Weiterbildung zum Facharzt oder zur Fachärztin für Innere Medizin und Allgemeinmedizin eingeführt. Möchtest du mehr über Niederlassungsmöglichkeiten als Internist:in erfahren, wende dich am besten an deine örtliche Kassenärztliche Vereinigung – sie kann dir alle Fragen rund um Zusatzqualifikationen und Quereinstiege beantworten.
 

Wie hoch ist der Reinertrag einer Hausarztpraxis?

Wie viel Umsatz eine Praxis macht, hängt von verschiedenen Faktoren ab, unter anderem von der Größe, der Lage, der Personalanzahl und dem Fachbereich. Eine Niederlassung für Allgemeinmedizin, also in der Regel eine hausärztliche Versorgung, kommt laut der letzten Berechnung des Statistischen Bundesamtes auf einen Reinertrag von rund 252.000 Euro jährlich. Der Betrag stellt dabei das Ergebnis des Geschäftsjahres der Praxis dar. Er berücksichtigt zwar alle Ausgaben und Aufwendungen, aber nicht private Versicherungen, Kredite für Praxisübernahmen oder ähnliches.

Hast du Fragen zur Weiterbildung in der Allgemeinmedizin?
Dann wende dich an diese kompetenten Ansprechpersonen, die dir gerne mit Rat zur Seite stehen.

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