Praxisorganisation

Helfende Hände: Entlastung bei der eigenen Praxis

Eigene Praxis, also keine Zeit für die anderen Dinge im Leben? Falsch gedacht. Entlastungsassistenten und -assistentinnen können dir bei der Arbeit helfen und Freiräume schaffen.

Eine Ärztin sitzt im Büro und hält ihr Kind auf dem Arm.
Eine eigene Praxis führen und gleichzeitig Zeit für den Nachwuchs haben? Das geht: Eine der Aufgaben von Entlastungsassistenten ist es, in der Praxis Freiräume für die Kindeserziehung zu schaffen. © iStock / jacoblund

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Die eigenen Kinder aufwachsen sehen, kranke Angehörige pflegen oder auch eine Lehrtätigkeit an der Uni ausüben. Das alles braucht Zeit. Und die ist im medizinischen Berufsalltag in der Regel knapp bemessen. Die gute Nachricht ist aber: Hast du eine eigene Praxis, kannst du bei deiner Kassenärztlichen Vereinigung (KV) die Hilfe von Entlastungsassistenten und -assistentinnen, auch Sicherstellungsassistenz genannt, anfragen. Sie stellen die medizinische Versorgung sicher, solltest du oder deine angestellten Ärztinnen und Ärzte verhindert sein oder den ärztlichen Pflichten nicht im vollen Umfang nachkommen können. Dafür werden sie auf Zeit angestellt und heben sich insofern von der normalen Vertretung ab, als dass sie für mehrere Monate zum Einsatz kommen können. Außerdem kannst du zum Beispiel in Teilzeit weiter in deiner Praxis arbeiten. Eine Vertretung kannst du bis zu drei Monaten genehmigungsfrei anstellen, jedoch darf auch nur der vertretende Arzt und die vertretende Ärztin in dieser Zeit deine Patienten behandeln. Eines haben beide aber gemeinsam: Das Angebot gilt allein zur Aufrechterhaltung der Versorgung – der Praxisumfang darf nicht erweitert werden.

Wann können Entlastungsassistenten und -assistentinnen beantragt werden?

Die Möglichkeiten, einen Entlastungsassistenten oder eine -assistentin anzufordern, sind in der Ärzte-Zulassungsverordnung klar definiert: Bei der Kindererziehung und bei der Pflege von Angehörigen kannst du auf Unterstützung zählen. Viele KVen bieten die Hilfe aber auch bei weiteren Ausgangslagen an, so zum Beispiel die KV Bayerns (KVB). »Bei uns kann man auch bei belegärztlicher Tätigkeit, Lehraufträgen oder auch längerer Krankheit Unterstützung von Entlastungsassistenten erhalten«, erzählt Stefano Giusto, Berater bei der KVB. »Das ist aber von KV zu KV unterschiedlich. Ein Gespräch mit den Beratern lohnt sich daher immer.«

Wie läuft die Beantragung ab?

Die Entlastungsassistenz muss immer im Voraus von der KV genehmigt werden. Dieses Verfahren dauert in der Regel vier Wochen. Bei dringenden Fällen können die Berater den Vorgang intern aber etwas anschubsen.
Je nach Grund wird die Assistenz für eine bestimmte Dauer befristet. Das können sehr kurze Zeiträume sein oder, wie zum Beispiel bei der Kindeserziehung, bis zu 36 Monate. Das heißt für dich jedoch nicht zwangsläufig, drei Jahre abstinent von Anamnese und Stethoskop sein zu müssen. »Die bewilligte Zeit muss man nicht am Stück nutzen«, erklärt Stefano Giusto. »Bei der Erziehung vom Nachwuchs kann man diese auch staffeln und, bis zum 18. Lebensjahr, verteilen.«

Was dürfen Entlastungsassistenten und -assistentinnen in der Praxis leisten?

Soll eine Entlastungsassistenz zum Einsatz kommen, muss diese über dieselben Facharztkenntnisse verfügen wie du. Nur so kann die lückenlose Versorgung in der eigenen Praxis gewährleistet werden. Allgemeinärzte und -ärztinnen dürfen also nicht eine urologische Praxis betreuen. Jedoch: Der Vertreter oder die Vertreterin darf nur die Leistungen erbringen, zu denen du auch selber berechtigt bist. Umgekehrt darf auch der Entlastungsassistent oder die -assistentin keine Behandlungen durchführen, für die er oder sie keine Abrechnungsberechtigung hat. Alle weiteren, nichtmedizinischen Tätigkeiten, wie zum Beispiel das Praxismanagement, sind Verhandlungssache und können individuell abgestimmt werden.

Das Konzept der Entlastungsassistenz ist durchaus beliebt – das zeigt sich bei der KVB. Die hat in diesem Jahr bereits über 1.000 Anträge auf Entlastung erhalten. Tendenz steigend. Giusto: »Wir beobachten, dass immer mehr Ärztinnen und Ärzte auf eine gute Work-Life-Balance achten. Da ist die Entlastungsassistenz eine gute Option.«