Sprechstunden

Zeit für deine Patienten

Das Leben besteht nicht nur aus Arbeit. Wir zeigen dir, dass du als niedergelassene Ärztin oder als niedergelassener Arzt viele Möglichkeiten hast, Einfluss auf deine Arbeitszeiten zu nehmen.

Eine junge Ärztin bespricht Befunde mit ihrem Patienten.
Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte haben verschiedene Möglichkeiten, ihre Sprechzeiten individuell zu gestalten. © Stígur Már Karlsson /Heimsmyndir

Seit Mai 2019 gibt es neue Vorgaben, die gewährleisten sollen, dass Patienten mehr Sprechstunden und schnellere Termine bekommen. Mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz (TVSG) wurde die Mindestsprechstundenzahl gesetzlich auf 25 Wochenstunden erhöht. Der Spitzenverband Bund der Krankenkassen (GKV) hatte 2018 eine FORSA-Umfrage mit 1.400 Niedergelassenen durchführen lassen. Ein Ergebnis war, dass ein großer Teil weit unter den 25 Stunden blieb.

Unterschiede in den Fachbereichen

Wie viele Sprechstunden man am Ende durchführt, liegt – in einem gewissen Rahmen natürlich – auch im eigenen Ermessen. Die FORSA-Umfrage zeigte, dass viele auch weit mehr als die 25 Stunden anbieten. Bei HNO-Ärztinnen und -ärzten sind es rund 27 Wochenstunden, bei Augen- und Kinderärztinnen und -ärzten sowie bei Orthopädinnen und Orthopäden 28 Wochenstunden, 29 in der Gynäkologie bis zu etwas mehr als 30 Wochenstunden bei Hausärztinnen und -ärzten. Gut zu wissen: In den Fachbereichen Gynäkologie und HNO müssen Ärztinnen und Ärzte mindestens fünf Stunden pro Woche als offene Sprechstunde anbieten. Für die dort erbrachten Leistungen werden sie dann extrabudgetär vergütet.

Leben und Arbeiten in Balance

Die Vereinbarkeit von Beruf und Freizeit – insbesondere aber auch von Beruf und Familie – hat in unserer Gesellschaft zum Glück inzwischen einen hohen Stellenwert. Wenn du dich niederlässt, hast auch du gute Möglichkeiten, deine individuelle Work-Life-Balance zu verwirklichen: Bei einer Teilzulassung beispielsweise musst du nur die Hälfte der wöchentlichen Mindestsprechstunden anbieten, also nur 12,5 statt 25 Stunden.

Die Sprechzeiten sind allerdings nur ein Teil der ärztlichen Arbeitszeit. Zuweilen kommen nämlich auch Hausbesuche und Bereitschaftsdienste dazu. Etwa 15 Prozent der Arbeitszeit entfallen auf Verwaltungstätigkeiten.

Arbeits- und Sprechzeiten

Die Sprechzeiten legst du selbst fest. Du bestimmst, ob du deine Praxis schon morgens um 7.00 Uhr öffnest, oder erst um 15.00 Uhr. Nur eine Ausnahme gibt es: die Teilnahme am Ärztlichen Bereitschaftsdienst. Diese wird von Region zu Region unterschiedlich gehandhabt. Ob du Bereitschaftsdienste übernehmen musst, und wenn ja, wie viele, erfährst du bei deiner zuständigen KV.

Vertretung bei Urlaub, Krankheit, Elternzeit

Wenn du Urlaub machst oder selbst einmal krank wirst, kannst du dich von einem Vertragsarzt deiner Fachrichtung vertreten lassen – bis zu einer Gesamtzeit von drei Monaten jährlich. Längere Vertretungen sind im Einzelfall auch möglich, sie müssen aber dann von der zuständigen Kassenärztliche Vereinigung (KV) genehmigt werden.

Was, wenn Nachwuchs kommt? Niedergelassene Ärztinnen können sich nach Geburt ihres Kindes bis zu einem Jahr lang in ihrer eigenen Praxis vertreten lassen. Wer möchte, kann in der Elternzeit seine Zulassung ruhen lassen. Auch ein hälftiges Ruhen ist möglich – in diesem Fall muss die Praxis nur 12,5 statt 25 Sprechstunden in der Woche anbieten. In der Erziehungszeit kannst du außerdem bei deiner KV einen sogenannten Entlastungsassistenten beantragen, der bis zu 36 Monate lang einen Teil der Aufgaben übernimmt.

Und wenn du längerfristig deine Arbeitszeit reduzieren möchtest, kannst du auch einen Arzt einstellen – in Teil- oder Vollzeit. Falls es sich bei deiner Praxis nicht um eine Jobsharing-Praxis handelt, ist hierfür allerdings ein freier Arztsitz erforderlich. Die Anstellung muss dann beim Zulassungsausschuss beantragt werden.

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