Pflegepraktikum im Studium

»Die Arbeit im Krankenhaus stresst«

Vitalwerte abnehmen, Betten schieben, Klinikstress: Alle Medizinstudierenden müssen vor oder während des Studiums drei Monate Praktikum in der Krankenpflege absolvieren. Für viele ist es der erste richtige Kontakt mit Patienten – auch für Katja Neuhoff. Die Medizinstudierende im dritten Semester an der Ruhr-Universität Bochum macht momentan ihr Praktikum im St. Hedwig-Krankenhaus in Berlin.

Eine Medizinstudentin ordnet einen Wagen in einer Krankenhausstation.
Verbände legen, Blut abnehmen, Anamnesegespräche: Für Katja Neuhoff ist das Pflegepraktikum der erste richtige Kontakt zur Medizinwelt. © Bilder: Heiko Laschitzki

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Katja, wie sieht dein Alltag im Krankenhaus aus?

Das ist von Schicht zu Schicht unterschiedlich. In der Regel beginnt der Arbeitsalltag immer mit der Übergabe. Danach begleite ich die Pfleger und Schwestern bei Rundgängen und helfe, Werte wie Blutdruck, Puls und Temperatur zu messen. Morgens bin ich zum Beispiel auch bei der Visite dabei und unterstütze, die Patienten mit Essen und der Grundpflege zu versorgen. 
Und dann ist für mich der Rest des Tages eigentlich: Patienten in den OP schieben, aus dem OP abholen, Neuaufnahmen und Entlassungen vorbereiten. Und dann endet der Tag auch schon mit der nächsten Übergabe.

Was nimmst du daraus für deinen Medizineralltag mit?

Ich bin aus der Schule fast direkt ins Studium gepurzelt und hatte kaum Erfahrung im medizinischen Berufsalltag, die kann ich hier aufbauen. Die Schwestern haben mir zum Beispiel gezeigt, wie man einen Katheter legt. Bei Anamnesegesprächen und Ultraschall war ich auch mit dabei und Blut habe ich auch schon abgenommen. Sicher gibt es im Studium schon welche, die mehr Erfahrung haben, aber für mich war es etwas Besonderes. An manchen Tag fallen diese Sachen aber flach. Da merkt man, dass das Pflegepersonal überlastet ist.

In wie weit äußert sich das?

Ich habe es schon erlebt, dass die Station zwei Wochen lang für neue Patienten gesperrt wurde, weil einfach zu wenig Personal da war. Da schaffen es die Ärzte und die Pfleger nur mit Mühe, die Patienten so zu betreuen, wie sie es gerne hätten. Da erwarte ich nicht, dass auch noch Zeit für mich abgezwackt wird.

Wie gehst du damit um?

Also ich glaube, dass die Arbeit im Krankenhaus generell stresst. Da bewundere ich die älteren Pfleger, die so eine Ruhe ausstrahlen und gleichzeitig schnell und effizient arbeiten. Die Arbeit im Krankenhaus wäre aber für mich, vor allem, wenn ich an Familie denke, auf Dauer nichts.

Hast du denn das Gefühl, dass du als Medizinstudierende mehr Verantwortung übertragen bekommst?

Nein, die Ärzte und die Pfleger in meinem Krankenhaus schauen sich vielmehr die Person ganz genau an. Da ist es egal, ob Pflegeschüler, Praktikant oder halt Medizinstudierender. Das finde ich gut, schließlich bin ich selbst noch recht unerfahren und stehe so keinen überhöhten Erwartungen entgegen.

Du hast dich dazu entschieden, dein Praktikum während des Studiums abzuleisten. Empfindest du das als Mehrbelastung?

Ich war vor dem Studium ein Jahr im Ausland, da hatte ich schlicht keine Zeit, das Praktikum zu machen. Jetzt nutze ich die Semesterferien dafür: die drei Pflichtmonate habe ich gesplittet. Einen Monat habe ich nach meinem ersten Semester in einem Krankenhaus in Waldbröl in NRW absolviert. Nun hole ich in Berlin die letzten zwei Monate nach. Sicher, man kann die Semesterferien nicht nutzen, um sich zu erholen. Aber andererseits kommt man auch nicht raus aus dem Medizinalltag. Das finde ich praktisch.