Partnerschaft

Rezept für die Medizinerliebe

Gemeinsam die Nächte vor dem Physikum durchlernen, sich von der ersten nervösen Patientenvorstellung erzählen, genauso übermüdet sein nach einem 24-Stunden-Dienst. Ärztinnen und Ärzte durchlaufen zusammen viele stressige Phasen in ihrer Karriere. Kein Wunder, dass da ab und zu der Funke überspringt – wie bei Gynäkologin Alexandra Edimiris und Unfallchirurg Philipp Herrmann. Aus dem Alltag eines Medizinerpärchens.

Das Medizinerpaar Alexandra und Philipp stehen gemeinsam auf einer grünen Wiese.
Medizinliebe, geht das gut? Alexandra und Philipp sind schon seit mehreren Jahren ein Paar. ©privat

Lesedauer: 4 Minuten

Kennen und lieben gelernt haben sich Alexandra und Philipp in den Anfängen ihres Medizinstudiums an der Uni Essen. Philipp pausierte ein Semester und kam in Alexandras Jahrgang. Sie saßen nebeneinander im Hörsaal, lernten gemeinsam für Prüfungen und verbrachten auch ihre Freizeit gemeinsam. Ein Klassiker – obwohl Alexandra »eigentlich keine Beziehung mit anderen Medizinern wollte«. Philipp sieht die »Partnerbörse Universität« etwas pragmatischer: »Sobald man Medizin studiert, hängt man eigentlich fast nur noch mit Medizinern ab. Schließlich haben wir hauptsächlich Kurse am Uniklinikum, haben viele gemeinsame Interessen und arbeiten im Endeffekt ja auch zusammen.« 

Gemeinsame Arbeit im Krankenhaus

Mittlerweile sind Alexandra und Philipp schon vier Jahre ein Paar und frisch in eine gemeinsame Wohnung gezogen. Sogar ihre Weiterbildung absolvieren sie gemeinsam – im wahrsten Sinne des Wortes. Beide arbeiten in demselben Klinikum, zwar auf unterschiedlichen Stationen, teilweise jedoch mit den gleichen Patienten. Ein Traum für das Pärchen? Bedingt. »Es ist schon ein bisschen komisch, wenn Krankenschwestern zu mir kommen und sich über die Unfallchirurgen beschweren«, sagt Alexandra und schmunzelt. Auf lange Sicht würden beide aber sowieso keine Arbeitsstelle mehr teilen, meint Philipp: »Wir machen ja auch was komplett Unterschiedliches.«  

Medizinischer Austausch im täglichen Leben

Aber auch ohne gemeinsame Arbeitsstelle prägt die Medizin den Alltag – diese Erfahrung macht das Paar zumindest aktuell: »Man hat ja nach der Arbeit viel von seinem Tag zu berichten«, erzählt Philipp. »Da ist es einfach schön, wenn Alex das nachvollziehen kann und sie das auch interessiert.« Alexandra ergänzt: »Ja, man erzählt ja zum Beispiel von Sachen, die schiefgegangen sind, oder von besonderen Fällen. Vor Kurzem habe ich zum Beispiel meine erste Thoraxdrainage gelegt. Philipp hat mir davor erzählt, welche Erfahrungen er damit gemacht hat.« Auch Philipp schaut sich manchmal Dinge von seiner Freundin ab, zum Beispiel bei der Patientenkommunikation: »Alex nimmt sich immer viel Zeit für die Patienten. Ich habe versucht, mir davon eine Scheibe abzuschneiden, und mir zwei, drei Minuten mehr für meine Patienten genommen.« Ein wertvoller fachlicher Austausch also in der Beziehung – aber gibt’s das nicht auch unter befreundeten Medizinerinnen und Medizinern? Nicht ganz, findet Alexandra: »Ich tendiere dazu, mich mit anderen Studierenden zu vergleichen. Bei Philipp ist es aber nicht so. Mit ihm kann ich mich viel intensiver und ehrlicher austauschen.« 

Probleme in der Beziehung bei Weiterbildungsbeginn

Ganz ohne Krisen war die Partnerschaft zwischen Alexandra und Philipp natürlich nicht. Immerhin bietet der Arztalltag genügend Fallstricke, die die Beziehung auf eine Belastungsprobe stellen können, zum Beispiel Zeitmangel, Schichtdienst und Stress bei der Arbeit oder auch zu wenig Zeit füreinander. Vor allem der Start in die Weiterbildung war eine Herausforderung für das Medizinerpärchen. »Weil jeder irgendwie ins kalte Wasser geworfen wurde, schauen musste, wie man zurechtkommt, und nicht mehr so viel Zeit für Partnerschaft hatte«, erzählt Alexandra. Das Ergebnis: schlechte Laune nach dem Schichtdienst, Stress und ein veränderter Alltag. Ein großer Einschnitt im Gegensatz zum Studium. Und das Ganze noch mal zwei – also doppelt so schlimm? »Es war ein großer Vorteil, dass der Partner Verständnis dafür hat«, so Philipp. »Wenn ich geschafft vom Dienst komme, kann sich Alex besser in die Lage versetzen.« Das Gleiche bei Alexandra: »Ja, das stimmt. Ich habe immer Probleme mit dem Schlafdefizit und kann das leider auch mal rauslassen. Bin dann gereizt und genervt, obwohl ich das eigentlich nicht will. Aber Philipp hat aufgrund seiner eigenen Erfahrungen Verständnis dafür.«  

Trotz Gemeinsamkeiten durch den Arztalltag: Wie jede andere Partnerschaft muss auch eine Beziehung unter Medizinerinnen und Medizinern gepflegt werden. Was für Alexandra und Philipp das Rezept ihrer gelungenen Beziehung ausmacht: »Uns hilft eine direkte Absprache sehr, zum Beispiel Dienste auf das gleiche Wochenende zu legen. Wir schauen aber auch, dass jeder Zeit für sich hat und auch mal etwas macht, das nichts mit Medizin zu tun hat.«

 

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