Nachwuchsgewinnung

Schön ist es, auf dem Land zu sein

Sich niederzulassen kann zahlreiche Vorteile haben und eine Menge Argumente sprechen für eine eigene Praxis, auch auf dem Land. Denn dort mangelt es häufig an Praxisnachfolgern. Daher unternehmen die Universitäten, Länder und Kassenärztliche Vereinigungen (KVen) eine Menge, um Studierenden und Ärztinnen und Ärzten das Arbeiten auf dem Land schmackhaft zu machen – und davon können Interessierte mitunter kräftig profitieren.

Junger Arzt steht in ländlicher Umgebung.
Die Arbeit auf dem Land bringt viele Vorteile mit sich. Damit Studierende und angehende Ärztinnen und Ärzte diese kennenlernen, unternehmen die Länder, KVen und Universitäten einiges. © iStock / chachamal

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Von Anfang an durchstarten

Studierende und angehende Ärztinnen und Ärzte möglichst früh für eine Tätigkeit auf dem Land zu begeistern, ist ein wichtiger Schritt, den Nachwuchsmangel zu bekämpfen. Das erreichen die Länder und KVen zum einen über finanzielle Förderungen. Doch allein das Geld macht es nicht – wichtiger ist es, direkt zu zeigen, welche Vorteile eine Praxis in ländlichen Regionen hat. Daher haben bereits einige Universitäten Programme etabliert, die Schwerpunkte rund um die ländliche Hausarztmedizin setzen und Studierenden möglichst früh die positiven Seiten präsentieren. Dabei profitieren Interessierte nicht nur von speziellen Studieninhalten, sondern auch von besonderen Zulassungsbedingungen. Wer also ein Medizinstudium aufgrund eines zu hohen NC für sich abgeschrieben hat, kann durch die Landarztquote dennoch einen Studienplatz ergattern. Meist verpflichten sich Teilnehmerinnen und Teilnehmer, nach dem Studium für eine gewisse Zeit im ländlichen Raum zu arbeiten. Dafür ist dann die Abiturnote nicht entscheidend für die Zulassung zum Studium, sondern unter anderem fachliche und praktische Erfahrungen in einem Gesundheitsberuf. Durchgesetzt hat sich die Landarztquote zum Beispiel bereits in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Rheinland. Über die Landesgrenzen hinaus geht das Projekt »Studieren in Europa – Zukunft in Sachsen« der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen. Das Projekt finanziert Studierenden ein Studium in Ungarn, wenn sich diese verpflichten nach Abschluss für fünf Jahre als Hausärztin oder Hausarzt in Sachsen (außerhalb der Städte Leipzig/Markkleeberg sowie Dresden/Radebeul) tätig zu sein.

Wegweiser gegen den Landarztmangel

Studierende, die schon zu Studienbeginn wissen, dass sie in der Allgemeinmedizin auf dem Land arbeiten möchten, können ab dem ersten Semester an speziellen Hausarztklassen teilnehmen. Diese bereiten gezielt auf die Tätigkeit auf dem Land vor und werden bereits von den Universitäten Magdeburg und Halle-Wittenberg angeboten. Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen unter anderem, was es alles zu beachten gibt, wie die täglichen Abläufe sind und wie man mit Anliegen in der Sprechstunde umgeht. Zudem bekommen die Studierenden eine Hausärztin oder einen Hausarzt als Mentor an die Seite gestellt und kommen bei regelmäßigen Praxistagen früh mit Patienten in Kontakt. Studierende, die sich noch nicht sicher sind, welchen Weg sie einschlagen möchten, können sich auch im Laufe des Studiums auf eine Tätigkeit als Hausärztin oder Hausarzt spezialisieren und zum Beispiel ihre Famulatur auf dem Land absolvieren.

Die speziellen Angebote bereiten nicht nur gezielt vor, sondern bringen oft auch die Chance auf einen finanziellen Zuschuss mit sich. Das Förderprojekt »Land.in.Sicht« der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) und der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) bezuschusst zum Beispiel Studierende, die ihre Famulatur in einer ländlichen Region Bayern absolvieren. Auch in den Bundesländern Brandenburg, Niedersachen, Thüringen, Hessen und Rheinland-Pfalz gibt es entsprechende Förderprogramme und Unterstützungsmöglichkeiten. Wer also fest entschlossen ist, sich niederzulassen, kann nicht nur ohne den entsprechenden NC einen Studienplatz finden, sondern auch finanziell profitieren. Doch wer seine Meinung ändert und nach dem Studium nicht als Landarzt tätig sein möchte, muss eventuell mit Rückzahlungen rechnen.

Entschlossenheit wird gefördert

Hast du dein Studium bereits erfolgreich abgeschlossen und bist fest entschlossen, den Weg in die Niederlassung im ländlichen Bereich zu gehen? Dann findest du ebenfalls reichlich Unterstützungsmöglichkeiten und kannst von finanziellen Förderungen kräftig profitieren. Falls du deine Facharztausbildung in der Allgemeinmedizin absolvieren möchtest, hast du eine ganze Reihe von Ansprechpartnern, an die du dich wenden kannst. Das Förderprogramm »Weiterbildung in der Allgemeinmedizin« hilft dir. Eine Übersicht über die zuständigen Ansprechpartner in den Regionen findet du hier.

Und auch die KVen bieten zahlreiche Förderungsmöglichkeiten. Eine genaue Auflistung der Unterstützungen der einzelnen Kven findest du hier.

Aufmerksamkeit erregen

Ausgefallene Ideen sind ebenfalls ein beliebtes Mittel im Kampf gegen den Ärztemangel auf dem Land. Die Gemeinde Kollnburg im Bayerischen Wald ist besonders kreativ an die Sache rangegangen und hat eine Stellenausschreibung der etwas anderen Art veröffentlicht: Gesucht wurde eine Hausärztin oder ein Hausarzt für die »Urlaubsregion Arberland« mit dem Hinweis, dass die Bürgermeisterin noch unverheiratet sei. Recht unkonventionell, doch das Inserat verfehlte seine Wirkung nicht. Es gab ein großes Medienecho, welches gezielt auf den Ärztemangel aufmerksam machte – und natürlich zu zahlreichen Bewerbungen auf die ausgeschriebene Stelle führte.

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