An der Uni

Kommt ein Arzt zum Arzt

Habilitation, Approbation, ausgelernt? Absolut nicht. Als Arzt oder Ärztin solltest du dich ständig auf dem Laufenden halten. Peer Reviews, also Feedback speziell geschulter Kolleginnen und Kollegen, können dir dabei helfen, dich weiterzuentwickeln.

Zwei Ärzte besprechen sich in einer Praxis.
Das Peer Review als Chance: Feedback von Kollegen kann dir helfen, deine eigenen Behandlungsabläufe zu verbessern. © iStock / peopleimages

Lesedauer: 4 Minuten 

Peer Reviews kennst du vielleicht aus dem Studium: Deine Kommilitonen, also Peers, schauen dir bei deiner Arbeit über die Schulter, lesen deine Texte und geben dir Feedback. Dasselbe System kannst du auch für deine eigene Praxis nutzen. Hier beurteilt ein Kollege oder eine Kollegin deine Behandlungsqualität, damit du deine Patienten auf konstant hohem Niveau versorgen kannst. Das Kollegen-Feedback erfolgt auf freiwilliger Basis, ist streng vertraulich und dauert in der Regel vier Stunden. In dieser Zeit beobachten die Peers, die meist den gleichen fachlichen Hintergrund wie du haben, dein Handeln und die Praxisabläufe kritisch. Dafür nutzen sie ihre eigenen Erfahrungen aus Beruf und vergangenen Besuchen. Initiatoren des Reviews sind zum Beispiel Qualitätszirkel, Berufsverbände oder auch Arztnetze. Teilnehmen können unter anderem Vertragsärzte und -ärztinnen, regionale Arztgruppen, Praxisgenossenschaften und Praxisverbünde.
 

Stärken, Schwächen, Perspektiven

Damit das Peer Review auf einem hohen Level stattfindet und du möglichst viel daraus lernen kannst, hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) Richtlinien für eine beispielhafte Durchführung des Reviews veröffentlicht. Das läuft dann folgendermaßen ab: Das Review startet nicht direkt mit dem Besuch, sondern mit einer Vorbereitung – von deinem Peer, aber auch von dir selbst. Du kannst deinen Kollegen mithilfe eines Fragenkatalogs einen ersten Eindruck von deiner Praxis und ihren Besonderheiten verschaffen: zum Beispiel Ausstattung, Behandlungsleistungen oder Sprechzeiten. 

Der Peer hingegen bereitet die Zielsetzung des Besuchs vor. Diese kann zum Beispiel eine Qualitätsentwicklung im Versorgungsprozess oder einen Qualitätsvergleich mit einer Arztgruppe umfassen. Am Review-Tag startet ihr dann mit einem einführenden Gespräch: Dort lernt ihr euch kennen und tauscht euch über die genaue Zielsetzung des Besuchs aus. Anschließend begleitet dich der Peer bei deiner Arbeit und notiert seine Befunde. Dabei können verschiedene Aspekte im Fokus stehen, zum Beispiel: 

  • Der genaue Vorgang der Anamnese: Wie ist das Gespräch aufgebaut? Wo findet es statt und wie wird mit dem Patienten kommuniziert?
  • Die Behandlung spezieller Gruppen wie zum Beispiel multimorbide Patienten: Anhand welcher Kriterien werden sie erkannt? Welche Struktur hat ihre Behandlung?
  • Die allgemeine Praxisstruktur: Kennen alle im Team ihren Aufgabenbereich? Werden die Behandlungspfade regelmäßig überprüft?
     

Feedback auf Augenhöhe 

Innerhalb der Kritik des Peers ist es sehr wichtig, dass nicht nur deine Schwächen im Fokus stehen, sondern auch Stärken und Perspektiven aus den Beobachtungen herausgearbeitet werden. Bei einer anschließenden Abschlussbesprechung könnt ihr euch dann darauf einigen, ob die Ergebnisse vertraulich bleiben oder auch veröffentlicht werden sollen.

 

Selber über die Schulter schauen

Du hast selber Interesse, Peer zu werden? Die Ausbildung dafür steht allen Fachärzten und -ärztinnen, die ihren Beruf in freier Niederlassung, als Angestellte in einer Praxis oder in einem medizinischen Versorgungszentrum ausüben, offen. Die KBV empfiehlt dafür das »Curriculum Ärztliches Peer Review« der Bundesärztekammer. Dort vertiefst du dein Wissen rund um den Ablauf, die Ziele sowie Inhalte des Peer-Review-Verfahrens. Außerdem wirst du in Gesprächsführung geschult. Wenn du anschließend selber Peer-Reviews durchführst, kannst du eine Aufwandsentschädigung für den Honorarausfall in deiner eigenen Praxis angeben. Vor allem profitierst du aber von deinem geschulten Auge für Behandlungsabläufe. Wichtig ist aber, dass du als Peer auch selbst dazu bereit sein solltest, dir in regelmäßigen Abständen von einem Kollegen Feedback einzuholen.

 

Review im Bild

Übrigens: Wenn du noch mehr über das Peer Review erfahren willst, findest du auf der Website der KBV ein Interview mit zwei ausgebildeten Peers. Die beiden Hals-Nasen-Ohren-Ärzte Dr. Christian Daxer aus Nürnberg und Dr. Rainer Jund aus Puchheim schildern in dem Video ihre Erfahrungen rund um das Kollegen-Feedback.