Lesedauer: 4 Minuten
Welche Rolle spielen Hausbesuche im Praxisalltag?
Hausbesuche zählen vor allem bei Hausärztinnen und -ärzten zu den allgemeinen Aufgaben, vor allem mittags oder am frühen Abend, vereinzelt auch am Wochenende ohne Praxisbetrieb. Aber auch Fachärztinnen und -ärzte sind zu Hausbesuchen ihrer Patientinnen und Patienten angehalten, wenn diesen ein Aufsuchen der Praxis – etwa aufgrund von Bettlägerigkeit – nicht möglich ist. Darüber hinaus können Hausbesuche auch an entsprechend qualifiziertes nichtärztliches Praxispersonal delegiert werden.* Hausbesuche rechnet die Ärztin oder der Arzt übrigens über den sogenannten Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) mit seiner KV ab.
Nach welchen Kriterien entscheidet sich, ob ein Hausbesuch notwendig ist?
Entscheidend sind grundsätzlich der medizinische Befund und die Einschätzung der behandelnden Ärztin oder des behandelnden Arztes. Gerade ältere Patientinnen und Patienten können so regelmäßig untersucht oder bei Bedarf aufgesucht werden.
Gerade in Pandemiezeiten nahm die Video- und Telefonsprechstunde zu. Ersatz für einen Hausbesuch?
Sie können den Kontaktweg zur Patientin oder zum Patienten sinnvoll ergänzen. Für zahlreiche Untersuchungen und Befunderhebungen ist aber nach wie vor der direkte Kontakt wichtig. Für ältere Hausbesuchspatient:innen spielen digitale Versorgungsangebote aber oftmals eher eine untergeordnete Rolle.
Was können Ärztinnen und Ärzte beim Hausbesuch behandeln, was nicht?
Basisleistungen wie Blutdruckkontrolle, Abhören mit dem Stethoskop, mündliche Beratungen und Ähnliches sind möglich. Auch Compliance, also Einnahme und Verträglichkeit von Medikamenten, ist ein wichtiger Punkt. Untersuchungen mit besonderen Geräten, wie etwa eine Sonographie, sind zumeist nicht außerhalb der Praxisräume umsetzbar.
Muss die Ärztin oder der Arzt nachts erreichbar sein oder wird das über die Notfallnummer 112 bzw. 116 117 geregelt?
Der »normale« Hausbesuch hat mit Notdienst erst mal nichts zu tun. Es gibt aber bundesweit unterschiedliche Regelungen, da jeder KV-Bereich die Organisation des ambulanten Notdienstes separat regelt. Beispielsweise wird im Bereich Nordrhein die Erreichbarkeit des ärztlichen Bereitschaftsdienstes abends, nachts und am Wochenende über die telefonische Hotline 116 117 bzw. werden die ärztlichen Hausbesuche durch diensthabende Ärzt:innen sowie die rund 90 ärztlich besetzten zentralen Notdienstpraxen im Rheinland sichergestellt.
Welchen Anteil haben Hausbesuche im ärztlichen Alltag?
2023 gab es im Rheinland über 2,75 Millionen Hausbesuche. Dabei waren die Hausärzt:innen etwa dreimal häufiger im Einsatz als ihre fachärztlichen Kolleg:innen. Hausbesuche sind also ein wichtiger Bestandteil der ambulanten Regelversorgung.
*Hinweis: Ein Hausbesuch kann auch von qualifiziertem Personal wie zum Beispiel VERAH (Versorgungsassistentin/-assistent in der Hausarztpraxis) oder NäPa (nichtärztlicher Praxisassistentin/nichtärztlichem Praxisassistenten) durchgeführt werden.
Hausarztbesuche: Wichtige Fragen und Antworten auf einen Blick
Für den schnellen Überblick haben wir dir häufig gestellte Fragen und deren Antworten hier zusammengefasst. Wenn du weitere Fragen hast, kontaktiere am besten deine zuständige KV.
Muss ein Hausarzt Hausbesuche machen?
Ja, Hausbesuche gehören grundsätzlich zum Pflichtprogramm niedergelassener Ärzt:innen. Dies gilt nicht nur für Hausärzt:innen, sondern auch für Fachärzt:innen, wenn eine Erkrankung aus ihrem Fachgebiet den Besuch notwendig macht.
Für den Hausbesuch müssen jedoch zwei Voraussetzungen erfüllt sein:
- Es ist den betroffenen Patient:innen wegen ihrer Krankheit nicht zumutbar, die Arztpraxis selbstständig aufzusuchen.
- Die Krankenbehandlung ist medizinisch notwendig.
Es gibt aber auch eine Ausnahme: Wenn die Wohnung der Patient:innen außerhalb deines Praxisbereichs liegt, kannst du als Vertragsärztin oder Vertragsarzt den Besuch ablehnen. Wenn es sich aber um einen dringenden Fall handelt und ein Vertragsarzt oder eine Vertragsärztin, in dessen Praxisbereich die Wohnung der oder des Kranken liegt, nicht zu erreichen ist, musst du die Patient:innen dennoch aufsuchen. Wie groß der jeweilige Praxisbereich ist, ist nicht kilometergenau definiert, denn die Grenzen sind abhängig von der Arztdichte und der Siedlungsstruktur.
Welche gesetzlichen Vorgaben gibt es für ärztliche Hausbesuche?
Die wichtigsten gesetzlichen Regelungen sind:
- § 17 Absatz 6 Bundesmantelvertrag-Ärzte definiert die Besuchsbehandlung als grundsätzliche Aufgabe des behandelnden Hausarztes oder der behandelnden Hausärztin.
- Nach § 17 Abs. 4 BMV-Ä kann die Ärztin oder der Arzt Hausbesuche außerhalb ihres oder seines üblichen Praxisbereichs ablehnen, außer in dringenden Fällen.
Wann sind Hausbesuche durch niedergelassene Ärzte notwendig?
Zur ärztlichen Betreuung durch Hausärzt:innen gehört auch die regelmäßige Hausbesuchstätigkeit zur Behandlung bettlägeriger, gebrechlicher und pflegebedürftiger Patient:innen.
Wer hat Anspruch auf einen Hausbesuch vom Arzt?
Genau diese Gruppen von Patient:innen, bei denen Hausbesuche notwendig sind, haben auch einen Anspruch auf einen Hausbesuch: nicht transportfähige, bettlägerige Patient:innen, denen das persönliche Aufsuchen der Praxis nicht möglich und nicht zumutbar ist.
Welche Voraussetzungen müssen für einen ärztlichen Hausbesuch erfüllt sein?
Zwei zentrale Voraussetzungen müssen erfüllt sein:
1. Es muss ein Behandlungsvertrag zwischen den Ärzt:innen und den Patient:innen bestehen.
2. Es muss den Patient:innen aus gesundheitlichen Gründen unmöglich oder unzumutbar sein, in die Praxis zu kommen.
Wie läuft ein Hausbesuch bei einem niedergelassenen Arzt ab?
Ärzt:innen können Hausbesuche grundsätzlich auf Zeiten vor oder nach ihrer Sprechstunde legen. Bei dringenden Fällen müssen sie jedoch auch während der Sprechstunde die Praxis verlassen.
Diese Leistungen sind zurzeit möglich (Stand: März 2025)
- Basisuntersuchungen wie Blutdruckkontrolle
- Abhören mit dem Stethoskop
- Mündliche Beratungen
- Kontrolle der Medikamenteneinnahme
Welche Vorteile bieten Hausbesuche für Patienten und Ärzte?
Hausbesuche bieten mehrere Vorteile: Ärzt:innen haben die Gelegenheit, das familiäre und soziale Umfeld ihrer Patient:innen kennenzulernen und in die Diagnose mit einzubeziehen. Auf diese Weise kann auch der persönliche Kontakt zwischen Ärzt:innen und Patient:innen gestärkt werden. Hausbesuche ersparen zudem sehr schwachen Patient:innen anstrengende Wege zur Praxis, sodass auch eine engmaschigere Betreuung chronisch kranker Menschen möglich ist.