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Rückblick

Zehn Jahre später: eine persönliche Zeitreise

Zehn Jahre. Eine lange Zeit, in der sich die Welt verändert. Welche Ziele hatte ich damals? Warum will ich Ärztin werden? Und was hat mich besonders geprägt? Diese Fragen hat sich Medizinstudentin Annika gestellt. Zehn Jahre im Zeitraffer.

Die Medizinstudentin Annika heute als angehende Ärztin und vor zehn Jahren als Schülerin.
Damals und heute: Annika hat im Medizinstudium etwas Wichtiges gelernt – mit Rückschlägen umzugehen. © privat/Chris Noltekuhlmann

Lesedauer: 3 Minuten

Vor zehn Jahren war Annika 14. Nicht unbedingt das Alter für konkrete Zukunftspläne. Die Initialzündung kam zwei Jahre später mit einer Facharbeit über Leukämie. »Das hat mich total fasziniert«, erzählt die Medizinstudentin im Rückblick. Doch auch Annika fasste zunächst einen Plan B: Medizin ist zu schwer, deshalb besser ein Biologiestudium. Obwohl sie in der Schule zu den Besten zählte, traute sie sich ein Medizinstudium schlichtweg nicht zu. Wäre sie nicht aus Neugier mit einer Freundin zu einem Tag der offenen Tür in ein Krankenhaus gefahren, wäre sie heute vermutlich Biologin.

Eine neue Welt

Aber der Chefarzt der dortigen Chirurgie lud sie in sein Büro ein. »Er hörte uns zu und machte uns Mut.« Seine Botschaft: Wenn man das will, dann schafft man das auch. Worte, die Annikas Weg prägen sollten. Sie entschied sich fürs Medizinstudium. Allerdings musste sie lernen, mit Rückschlägen umzugehen – denn die Vorklinik verlangte ihr viel ab. »Die neue Welt der Uni, mein erster eigener Haushalt und das krasse Lernpensum – das alles erschlug mich.« Beim Testat: durchgefallen. Und auch die folgenden Semester hielten für sie einige Hochs, aber auch Tiefs bereit. Für die einstige Einserschülerin eine neue, aber wertvolle Erfahrung.

Alles, was zählt

Denn genau diese Rückschläge waren es, die Annikas Perspektive bis heute verändert haben. »Ich habe etwas Wichtiges gelernt: mit Misserfolg umzugehen. Dass ich nicht immer zu den Besten zählen muss.« Eine Erkenntnis, die auch maßgeblich für ihr berufliches Selbstverständnis werden sollte. »Mir ist mittlerweile klar, dass ich nicht Karriere machen muss. Ich will vor allem eines: eine gute Ärztin werden.«

Family first

Momentan hat Annika die Möglichkeit, wichtige Fertigkeiten hierfür zu erlernen, denn sie befindet sich gerade im praktischen Jahr (PJ). Wunscharbeitsplatz Krankenhaus? »Aktuell finde ich den Klinikalltag, so wie ich ihn gerade im PJ erlebe, sehr spannend und reizvoll. Auf meine Assistenzarztzeit im Krankenhaus freue ich mich sehr und solang ich noch jung bin und keine familiären Verpflichtungen habe, machen mir auch Dienste und Wochenendarbeit nichts aus. Ich denke aber, dass sich das irgendwann ändert.« Für die Zukunft sieht sich Annika aber nicht unbedingt in leitender Position im Krankenhaus, sondern setzt ganz klar auf Vereinbarkeit von Familie und Beruf: »Ich würde gerne in die Niederlassung gehen, um dann mehr Zeit für meine dann hoffentlich vorhandene Familie zu haben. Ich kann mir gut vorstellen, nebenbei noch ein bisschen Notarzt zu fahren oder Rufdienste zu machen.«

Ruhe bewahren

Wie die meisten Menschen derzeit hat natürlich auch Annika im Rahmen der COVID-19-Pandemie mit Einschränkungen zu kämpfen. Während sie gerade noch pünktlich zum PJ aus Neuseeland zurückkam und viele ihrer Studentenseminare ausfielen, bleibt vor allem eins in Erinnerung: »Ich habe in sehr viele traurige Patientengesichter schauen müssen, wenn sie zur Visite täglich hören mussten, dass Besuch nicht möglich ist und sie das Klinikgebäude nicht verlassen dürfen.«

Durch ihren bisherigen Werdegang – von der Berufswahl über die Erfahrungen im Umgang mit Patienten und im PJ-Team bis zu Krisenmanagement – hat Annika in den letzten zehn Jahren viel gelernt. Mittlerweile weiß sie, dass vor allem Geduld und Gelassenheit gefragt sind. »Man muss dranbleiben und Dinge wieder und wieder versuchen. Sei es das Legen einer Flexüle bei schwierigen Venen oder das auf 5° genaue Messen eines Bewegungsausmaßes mit dem Goniometer. Und: Egal wie viel OP-Erfahrung du hast – wenn dich OP-Schwestern nicht kennen, machst du immer etwas falsch am Anfang. Und das ist völlig okay.«

 

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