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Du hast dein Medizinstudium beendet und die Approbation erhalten. Jetzt kommt der nächste Schritt auf der Karriereleiter mit einer fachärztlichen Weiterbildung. Dafür wählst du ein Fachgebiet der Medizin, zum Beispiel die Allgemeinmedizin und spezialisierst dich darauf. 

Ärzt:innen in Weiterbildung, auch Assistenzärzt:innen oder Weiterbildungsassistent:in genannt, bewegen sich zwischen Lernen, praktischer Erfahrung und wachsender Verantwortung. Hier erhältst du Antworten auf wichtige Fragen zum Thema: Wie läuft diese Weiterbildungszeit ab, welche Aufgaben und Chancen bekommst du, welche Anforderungen gibt es und welche Wege öffnen sich mit deinem Facharzttitel?

Die Weiterbildung in der Niederlassung

Das Krankenhaus ist eine mögliche Weiterbildungsinstanz, aber auch Haus- und Facharztpraxen beschäftigen Weiterbildungsassistent:innen. Voraussetzung dafür ist, dass die zuständigen Ärzt:innen eine Weiterbildungsbefugnis haben. Diese wird – je nach Leistungsspektrum und Qualifikation – für einen definierten Zeitraum, etwa für 18 oder 24 Monate, vergeben. Die entsprechende Zeit lässt sich dann auf die Facharztweiterbildung anrechnen. Bei den Landesärztekammern erfährst du, welche Ärzt:innen welche Weiterbildungsbefugnis haben.

Die Weiterbildung im Bereich Allgemeinmedizin

Wenn du dich später einmal niederzulassen willst, kannst du dich zum Beispiel im Bereich der Allgemeinmedizin weiterbilden. Dafür musst du 5 Jahre einplanen. Maßgebend ist die Weiterbildungsordnung, die von der jeweiligen Landesärztekammer festgelegt wird. Daher kann es von Bundesland zu Bundesland Unterschiede bei der Facharztausbildung geben.

So setzt sich die Facharzt-Weiterbildung im Bereich der Allgemeinmedizin zusammen:

  • Sie dauert insgesamt 60 Monate (5 Jahre):
    • 24 Monate leistest du in der ambulanten hausärztlichen Versorgung ab
    • 12 Monate arbeitest du im Gebiet Innere Medizin in der stationären Akutversorgung. Die Dauer kann von Landesärztekammer zu Landesärztekammer variieren. In aller Regel werden aber mindestens 12 Monate Innere Medizin, stationär, gefordert.
    • 6 Monate verbringst du in mindestens einem anderen Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung.
    • Bis zu 18 Monate Weiterbildung können zum Kompetenzerwerb in Gebieten der unmittelbaren Patientenversorgung erfolgen.

Des Weiteren musst du einen 80-Stunden-Kurs in der psychosomatischen Grundversorgung besuchen.

Die Allgemeinmedizin ist die einzige Fachrichtung, bei der eine Weiterbildung in der Praxis vorgeschrieben ist: Die angehenden Fachärzt:innen müssen mindestens zwei Jahre in der Niederlassung praktizieren.

Fachärzt:innen aus einer Hand: Weiterbildungsverbund Allgemeinmedizin

Damit die angehenden Fachärzt:innen nicht immer wieder von neuem auf Stellensuche gehen müssen und der Übergang zwischen den Einrichtungen reibungslos klappt, haben sich Kliniken und Haus- und Facharztpraxen in regionalen Weiterbildungsverbünden zusammengeschlossen. Durch die Kooperation bekommst du trotz der verschiedenen Stationen eine straffe Ausbildung aus einem Guss – ohne umziehen zu müssen und mit einheitlicher Qualität und Bezahlung.

Das lernen Assistenzärzt:innen in der Weiterbildung Allgemeinmedizin 

Während deiner Assistenzzeit in der Allgemeinmedizin lernst du viel dazu. Einiges wird dir aus dem Studium schon vertraut sein, anderes begegnet dir in der Praxis zum ersten Mal. Welche Inhalte du erlernen solltest, ist in der Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer niedergeschrieben. In Deutschland sind für alle Angelegenheiten ärztlicher Weiterbildung die Landesärztekammern als Körperschaften des öffentlichen Rechts zuständig. Die von der Bundesärztekammer erarbeitete (Muster-)Weiterbildungsordnung hat für die Landesärztekammern empfehlenden Charakter.

Für jede Ärztin/jeden Arzt ist immer nur die Weiterbildungsordnung der Landesärztekammer rechtsverbindlich, deren Mitglied sie/er ist.

Zentrale Aufgaben in der Weiterbildung zur Allgemeinmedizin

Welche vielfältigen Kompetenzen und welches Wissen erwirbst du in der Weiterbildung und welche zahlreichen Aufgaben nimmst du wahr? 

Du arbeitest in deiner Weiterbildungszeit in der Praxis unter der Anleitung und Verantwortung deiner Hausärzt:innen bzw. Fachärzt:innen.

Wichtige Bereiche im Überblick:

1. Umfassende Patientenversorgung

  • Betreuung von Patient:innen aller Altersgruppen bei akuten und chronischen Erkrankungen
  • Durchführung von Anamnesen, körperlichen Untersuchungen und hausärztlichen Diagnosen
  • Entwicklung individueller Behandlungspläne und Verordnung von Therapien

2. Vorsorge und Prävention

  • Durchführung und Beratung zu Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen (zum Beispiel Impfungen, Krebsvorsorge)
  • Gesundheitsberatung, präventive Maßnahmen und Unterstützung beim Lebensstilmanagement

3. Organisation und Koordination

  • Überweisung an Fachärzt:innen oder Einleitung stationärer Aufenthalte
  • Koordination der Versorgung im Hausarztmodell und enge Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen im Gesundheitswesen
  • Dokumentation aller ärztlichen Maßnahmen im Weiterbildungslogbuch

4. Langfristige Betreuung und Nachsorge

  • Kontinuierliche Begleitung chronisch kranker Patient:innen (zum Beispiel Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen)
  • Betreuung in rehabilitativen und palliativen Situationen sowie häusliche Visiten

5. Notfallmanagement

  • Erkennen und Erstversorgung von Notfällen in der hausärztlichen Praxis
  • Einleitung erforderlicher Sofortmaßnahmen und ggf. Organisation des Transports in die Klinik

6. Praxismanagement und Teamarbeit

  • Mitarbeit im organisatorischen Ablauf der Praxis
  • Übernahme von Aufgaben im Qualitätsmanagement
  • Zusammenarbeit mit Praxisteam, Pflege, Therapieberufen und externen Partner:innen

Diese Aufgaben bilden das Fundament einer hausärztlichen Tätigkeit. Im Verlauf der Weiterbildung wächst die Eigenverantwortung, sodass Ärzt:innen schrittweise lernen, Patient:innen ganzheitlich zu betreuen und auch organisatorisch eine Praxis erfolgreich mitzugestalten.

Deine Aufgaben in der Weiterbildungszeit in einer Klinik

Wenn du deine Facharztausbildung in einer Klinik machst, betreust du Patient:innen bei Aufnahme, Anamnese und Untersuchung, bist bei Visiten und Behandlungsplänen dabei und setzt therapeutische Maßnahmen um. Schon früh schreibst du ärztliche Dokumentation, bereitest Diagnostik vor und übst dich in der Versorgung unter realen Bedingungen. Dabei arbeitest du grundsätzlich unter der Supervision weiterbildungsbefugter Fachärzt:innen. 

Dein Kompetenzbereich wächst mit der Zeit, aber die endgültigen Entscheidungen triffst du noch nicht allein. Für viele Handgriffe bekommst du mit der Zeit mehr Freiheiten. Wichtig: Deine Fortschritte hältst du im Logbuch fest, das alle durchgeführten Tätigkeiten dokumentiert und später für die Zulassung als Nachweis dient.

Die Anforderungen reichen von Rotationen durch verschiedene Abteilungen über Fortbildungen bis zu eigenverantwortlichen Tätigkeiten. Durch Zusatzweiterbildungen oder Spezialisierungen kannst du dich im Verlauf für einen bestimmten Karriereweg qualifizieren, zum Beispiel Oberarztlaufbahn, Forschung, Lehre oder für die spätere Niederlassung.

Niederlassung oder Klinik? Vorteile der Praxis

Als Arzt bzw. Ärztin in Weiterbildung stehen dir grundsätzlich beide Wege offen. Die Klinik gibt dir die Chance auf breite medizinische Erfahrungen und strukturierte Ausbildungsprogramme. Dort lernst du die Versorgung schwerer Krankheitsbilder, interdisziplinäre Zusammenarbeit und den Umgang mit moderner Medizintechnik. 

In der Niederlassung, insbesondere im ambulanten Bereich, erfährst du mehr über die langfristige Betreuung von Patient:innen und Management. Außerdem baust du Netzwerke zu Kolleg:innen und zukünftigen Kooperationspartner:innen auf.

Wenn du dich für die Niederlassung entscheidest, kannst du später deinen Arbeitsbereich in der Praxis so gestalten, dass er genau zu deinen jeweiligen Lebensumständen passt. Es gibt zum Beispiel Kolleg:innen, die in der Niederlassung arbeiten, Familie haben und zugleich forschen. Du profitierst von einer ausgewogenen Work-Life-Balance

Unterstützung auf dem Weg zum Vertragsarztsitz

Die Kassenärztlichen Vereinigungen stehen dir mit speziellen Beratungs- und Koordinierungsstellen zur Seite. Sie helfen bei Fragen rund um Weiterbildungszeit, Zulassungsvoraussetzungen oder Förderprogramme. Niedergelassene Ärzt:innen können finanzielle Förderungen für Weiterbildungsassistent:innen beantragen, vor allem in unterversorgten Gebieten. Informiere dich früh über Praxen mit Weiterbildungsbefugnis und über Anschlussmöglichkeiten im Weiterbildungsverbund – so sicherst du dir eine lückenlose und qualitativ hochwertige Ausbildungszeit.

Förderung »Weiterbildung in der Allgemeinmedizin«

Gerade in der hausärztlichen Versorgung hat Deutschland ein großes Nachwuchsproblem. Die Weiterbildung im Bereich Allgemeinmedizin wird deshalb gefördert. Zuletzt gab es zum 1. Januar 2025 eine Erhöhung der Förderung: 

1. Monatlicher Zuschuss für Weiterbildungsassistenten

  • 2025 beträgt der monatliche Gehaltszuschuss je Vollzeitstelle 5.800 Euro. Diese Förderung orientiert sich nach wie vor an der durchschnittlichen Vergütung im Krankenhaus und dient ausdrücklich dazu, die Weiterbildung in der Praxis auf diesem Niveau zu ermöglichen.

2. Zuschläge für Gebiete mit (drohender) Unterversorgung

  • Zusätzlicher Bonus in unterversorgten Gebieten:
    Der Zuschuss beträgt 500 Euro pro Monat, wenn sich die Praxis in einem bereits unterversorgten Gebiet befindet.
  • Bonus bei drohender Unterversorgung:
    Für Praxen in Gebieten, die von Unterversorgung bedroht sind, gibt es einen Zuschlag von 250 Euro monatlich
  • Finanziert wird der Zuschuss von den Kassenärztlichen Vereinigungen und den Krankenkassen. 

Die Kassenärztlichen Vereinigungen haben Koordinierungsstellen eingerichtet, an die sich Weiterbildungsassistenten und Fachärzte mit Fragen zur »Vereinbarung zur Förderung der Weiterbildung in der Allgemeinmedizin in der ambulanten und stationären Versorgung« richten können.

Ohne Wartezeit in die Praxis

Nach der Weiterbildung gibt es keine Übergangsfristen oder Wartezeiten: Wer Approbation und Facharzttitel in der Tasche hat, kann sich sofort selbstständig machen und eine Zulassung als Vertragsarzt oder -ärztin beantragen. Die abgeschlossene Facharztweiterbildung belegt die praktischen und theoretischen Erfahrungen, um im ausgewiesenen Fachgebiet Patient:innen kompetent betreuen zu können. 

Deine klar strukturierte Weiterbildung und die gesammelten praktischen Erfahrungen zahlen sich damit doppelt aus: als solides Fundament für Entscheidungsspielraum, Work-Life-Balance und eine individuelle Karriereplanung im Gesundheitssystem.
 

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