Praxisübernahme

Die Praxis als Zukunfts­perspektive

Es gibt viele gute Gründe, eine bestehende Praxis zu übernehmen. Die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen), wie zum Beispiel die KV Hessen, unterstützen Ärztinnen und Ärzte bei der Suche nach der passenden Niederlassung und begleiten die Übernahme.

Junge Frau bekommt einen Schlüssel überreicht
Eine Praxisübernahme ist ein guter Weg in die Niederlassung. Die KVen vermitteln nicht nur Praxissitze, sondern beraten auch interessierte Ärztinnen und Ärzte. © istock/vadimguzhva

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Ärztinnen und Ärzte, die sich niederlassen, aber keine neue Praxis gründen möchten, können eine bestehende übernehmen. Das ist vor allem in Gebieten, in denen eine Zulassungsbeschränkung herrscht, eine gute Möglichkeit. Wer eine Praxisnachfolge antritt, profitiert außerdem oft von bereits eingerichteten Räumlichkeiten, einem eingespielten Team und einem vorhandenen Patientenstamm. Zudem können die Zahlen des Vorgängers bereits eine Voraussage für die Zukunft treffen, sodass du eine gewisse Planungssicherheit hast. »Die KVen unterstützen Ärztinnen und Ärzte bei der Praxissuche sowie auch bei der Niederlassung mit unterschiedlichen Beratungsangeboten und finanziellen Förderungen. Zum Beispiel bekommen Ärztinnen und Ärzte in Hessen einheitliche Informationen darüber, wo ein Sitz zu vergeben ist, wo eine Praxis übernommen werden kann oder wo ein Angestellter gesucht wird«, sagt Carsten Lotz, Abteilungsleiter Beratung der KV Hessen.

Für die Work-Life-Balance

Für eine Niederlassung und Praxisübernahme sprechen vor allem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die Work-Life-Balance. Daher spielen für viele Ärztinnen und Ärzte besonders der Standort, Infrastruktur und Anbindungen sowie Schulen und Kindergärten eine Rolle. Das ist aber noch nicht alles: »Auch die technische Ausstattung der Praxis, gut erhaltene Geräte sowie des Inventars ist für die meisten bei einer Übernahme wichtig. Viele achten auch auf das Image der Praxis. Sie machen sich zunächst über Bewertungen bei Google und Jameda sowie den Ruf der Praxis ein Bild«, sagt Lotz.

Die KVen bieten umfangreiche Möglichkeiten, die passende Praxis für sich zu finden. »Die KV Hessen unterstützt Ärztinnen und Ärzte zum Beispiel mit einer Praxisbörse. Dort können sie einsehen, wo eine Praxis abgegeben wird. Bei Interesse stellen wir dann den Kontakt zwischen Abgeber und Interessent her«, so der Abteilungsleiter. »Neben unserer Praxisbörse veranstalten wir kostenlose Workshops zu zahlreichen Themen rund um Niederlassung und Praxis«. Auch andere KVen bieten eine umfangreiche Suchbörse mit Inseraten rund um Personal- und Praxensuche. Praxisabgeber und Nachfolger können ebenso an den Praxisbörsentagen der KV Nordrhein und der KV Westfalen-Lippe Kontakte knüpfen, sich in Vorträgen informieren und von Experten beraten lassen. Zudem unterstützen die KVen Interessierte mit Büchern, Broschüren und Checklisten zur Niederlassung.

Auch aus der Anstellung heraus

Generell besteht die Möglichkeit, nahtlos von der Weiterbildung in die Praxistätigkeit überzugehen. »Wir erleben es aber oft, dass sich die neue Generation Ärzte lieber anstellen lassen möchte. Wenn es jedoch gut läuft, kann auch aus der Anstellung heraus eine Praxis übernommen werden. Zudem vermitteln die KVen oft auch Assistentinnen und Assistenten, die unter anderem während der Urlaubs- oder Elternzeit sowie im Krankheitsfall unterstützen. Diese können auch eine Praxis übernehmen, wenn eine Abgabe ansteht«, erklärt Lotz. Der Vorteil ist, dass die Assistentinnen und Assistenten die Praxisgegebenheiten und die Patienten dann bereits kennen.

Konkrete Schritte statt grauer Theorie

Besteht konkretes Interesse an einer Praxis, bewerben sich Ärztinnen und Ärzte zunächst um die Übernahme bei der KV. Im Anschluss müssen dann formale Voraussetzungen der Zulassungsverordnung erfüllt werden. »Ärztinnen und Ärzte müssen sich zum Beispiel ins Arztregister eintragen lassen. Das erledigen wir meistens direkt schon in dem Niederlassungsgespräch. Zudem helfen wir, Formulare auszufüllen und Fristen einzuhalten«, erklärt Lotz. Dazu gehört unter anderem der Antrag beim Zulassungsausschuss mit den entsprechenden Unterlagen.

Sobald es einen Beschluss des Zulassungsausschusses gibt, werden Ärztinnen und Ärzte in einem anschließenden Gespräch über die Rechte und Pflichten eines Vertragsarztes informiert und in die Zulassung begleitet. »Wir unterstützen den Unternehmergeist der Ärztinnen und Ärzte, die sich neu niederlassen. Denn ein Wirtschaftsunternehmen zu gründen, hat immer finanzielle Auswirkungen. Das müssen sich Ärztinnen und Ärzte bewusst machen.« Darüber hinaus helfen die KVen bei der ersten Abrechnung und informieren über Abschlags- und Steuerzahlungen.

Mit Rund-um-Begleitung Sorgen nehmen

»Um den jungen Ärztinnen und Ärzten ihre Unsicherheiten und Ängste zu nehmen, gibt es auch eine ganze Reihe an finanziellen Förderungsmitteln. Dazu zählen unter anderem die Übernahme von Kinderbetreuungskosten, Umzugsförderung sowie eine Umsatzgarantie«, sagt Lotz. Zudem informieren die KVen über Zukunftsperspektiven sowie Altersversorgung und geben einen Ausblick, welches Honorar in den folgenden ein bis zwei Jahren erwartet werden kann. »Es ist wichtig, Ärztinnen und Ärzte zu begleiten und ihnen mitzugeben, was sie wie und wann zu tun haben. Den Zeitablauf sollte man klären, aber sie gleichzeitig nicht mit zu vielen Informationen auf einmal überfrachten. Wir geben Ärztinnen und Ärzten aber auf jeden Fall mit auf den Weg, dass eine Praxisübernahme eine Zukunftsperspektive ist, mit der sich nicht nur gutes Geld verdienen, sondern auch eine vernünftige Work-Life-Balance erzielen lässt.«