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Coronakrise

Schreiben oder nicht?

Die Coronakrise verursacht momentan viel Unruhe im ohnehin schon stressigen Medizinstudium. Der jüngste Vorstoß des Bundesgesundheitsministeriums, um Krankenhäuser im Kampf gegen das Virus personell zu stärken, sorgt jedoch für noch mehr Verunsicherung unter den Studierenden.

Eine medizinische Schutzmaske liegt auf dem Asphalt.
Ohne Prüfung ins PJ, dafür später ein erneutes Hammerexamen? Die Coronakrise sorgt momentan für viel Unsicherheit im Medizinstudium. ©Claudio Schwarz

Lesedauer: 3 Minuten

Ende März 2020 gab das Bundesgesundheitsministerium den 16 Bundesländern in seiner „Verordnung zur Abweichung von der Approbationsordnung für Ärzte bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite“ vor, das schriftliche Staatsexamen zu verschieben und Studierenden auch ohne abgelegte Prüfung den Einstieg ins Praktische Jahr zu ermöglichen. Abweichungen seien nur erlaubt, sollte die ordnungsgemäße Prüfung auch unter den Bedingungen der epidemischen Lage sichergestellt werden können.

Die Beweggründe für die Anordnung liegen auf der Hand: Die Coronakrise sorgt schon seit einigen Wochen für einen Ausnahmezustand in Deutschland. Menschen müssen Kontaktsperren einhalten, die Wirtschaft erleidet heftige Einbußen, gleichzeitig bereiten sich Kliniken auf einen möglichen Notstand in der medizinischen Versorgung vor. Deshalb sollen die bisherigen Reihen von Medizinerinnen und Medizinern mit PJlern gestärkt werden, selbst wenn diese aufgrund der epidemischen Lage keine schriftliche Prüfung absolvieren konnten. Damit einher geht auch eine Flexibilisierung der Dauer der Ausbildungsabschnitte im Praktischen Jahr – laut Bundesgesundheitsministerium sollen so die Fachgebiete im Wahltertial dem Bedarf der Gesundheitsversorgung angepasst werden. Jedoch sorgt der Vorstoß des Bundesgesundheitsministeriums bei vielen Medizinstudierenden für Bauchschmerzen. Unterschiedliche Entscheidungen der Bundesländer im Rahmen der Anordnung könnten deutschlandweit für einen Flickenteppich an Regelungen sorgen und die Mobilität im Rahmen des PJs einschränken. Vor allem droht den Studierenden mit der Verschiebung der schriftlichen Prüfung aber ein Hammerexamen mit vielen Nachteilen.

Ein weiteres Hammerexamen?

Zwar würde die Fortsetzung des Studiums mit der Anordnung des Bundesgesundheitsministeriums grundsätzlich gewährleistet sein. In einer aktuellen Stellungnahme befürchtet die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) jedoch, dass betroffene Studierende die monatelange Lernphase für das schriftliche Examen erneut durchlaufen müssen – in gleichzeitiger Vorbereitung auf das mündliche Examen. Dabei wäre bereits Gelerntes zum Teil hinfällig, da sich die Prüfungsinhalte im kommenden Jahr ändern würden. Betroffene Studierende würden so in mehrfacher Hinsicht benachteiligt sein nach einem sowieso schon herausfordernden Corona-PJ mit erhöhtem Krankheitsrisiko und ohne absehbare nennenswerte Lehre.

Ein Lösungsansatz der Studierendenvertretung: Sollte eine Durchführung der schriftlichen Prüfung aufgrund der epidemischen Lage nicht möglich sein, solle auf eine Verschiebung verzichtet werden und stattdessen die kumulierten Leistungen im klinischen Studienabschnitt anerkannt werden. Ein alternativer Ansatz der Studierenden bei Erhalt der Prüfung sieht vor, einen Mindestabstand von acht Wochen zwischen mündlichem und schriftlichem Examen zu halten. So sollen Studierende, die in der Krisenzeit ihr PJ absolvieren, nach Möglichkeit vom Prüfungsdruck entlastet werden.

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