Info für mich
Karolina teilt ihre Studienerfahrungen auch auf dem Instagram-Kanal von »Lass dich nieder!«.
Lesedauer: 5 Minuten
Du hast gerade dein drittes Studienjahr abgeschlossen und machst jetzt erst mal nicht weiter. Warum?
Ich warte noch auf ein paar Prüfungsergebnisse, steige aber nicht direkt ins vierte Jahr ein. Ich habe mich für ein Stipendium beworben, das es hier in Rostock neu gibt, und es auch bekommen. Ein Jahr Forschung, um genau das an der Uni zu fördern. Ich nutze das Jahr für meine Doktorarbeit und schaue, ob Forschung etwas für mich sein könnte.
Wie kurzfristig ging das?
Ziemlich kurzfristig, weil das Programm ganz neu ist. Anfang des Jahres ging es los, Ende März, Anfang April kamen die Zu- und Absagen. Als ich in die Klinik gekommen bin, wollte ich eigentlich schon eine Doktorarbeit schreiben. Wir hatten hier auch eine Promotionsbörse, aber da war nichts dabei, das mich wirklich gepackt hat. Danach habe ich gezweifelt, ob ich überhaupt promovieren will. Ich möchte das nicht nur für den Titel machen, sondern wirklich etwas gemacht haben. Da kam das Stipendium wie gerufen: Man bekommt finanzielle Unterstützung, die Betreuung ist verbindlich geregelt und die Chance, dass man die Arbeit auch abschließt, ist einfach größer. Ich habe von vielen gehört, dass genau das das Problem ist.
Was fasziniert dich an der Forschung?
Ich überlege, später an der Uni zu bleiben. Da gehört ja beides dazu: Arztsein, Lehre und Forschung. Und ich finde es toll, einen kleinen Beitrag dazu zu leisten, dass es in der Medizin vorangeht. Spannend finde ich auch den Blick hinter die Kulissen. Wir sollen im Rahmen des Stipendiums selbst entscheiden, wofür wir bestimmte Gelder einsetzen. Das lernt man nicht, wenn man ein halbes Jahr irgendwo seine Doktorarbeit schreibt, nur um sie geschrieben zu haben. Freunde von mir promovieren in den Naturwissenschaften und arbeiten bis zu fünf Jahre an einem Thema. In der Medizin ist das anders, hier ist das oberste Ziel, Arzt zu werden. Jetzt bekomme ich wenigstens einen echten Einblick.
Was hat dich im Studium bisher am meisten überrascht?
Wie viele Möglichkeiten man als Medizinstudentin hat, schon in der Klinik zu arbeiten. Ich bin in der Ambulanz und helfe bei der Blutentnahme. Mir wurde richtig beigebracht, wie ich Blut abnehme und Zugänge lege. Als studentische Hilfskraft lernt man viele Kleinigkeiten – vorausgesetzt, man hat ein Team, das sie einem beibringt. In der Famulatur und im PJ hilft einem das enorm. Und man verliert die Angst vor dem Patientenkontakt, in einer Rolle, in der man noch nicht so viel Verantwortung trägt. Man tastet sich ran.
Wie war es, das erste Mal einem Patienten in dieser neuen Rolle gegenüberzustehen?
Wir hatten im fünften Semester einen Untersuchungskurs am Patienten. Wir wurden Stück für Stück herangeführt, durften Anamnesen machen und kleine körperliche Untersuchungen. Das war beeindruckend. In der Vorklinik gibt es Momente, in denen man zweifelt, ob man das wirklich machen will – da sieht man nur diese riesigen Stoffmengen. Und dann darf man plötzlich mit Patienten sprechen und merkt: Es ist nicht alles nur Theorie. Ich arbeite mit Menschen, und das ist einfach richtig schön.
Wie lernst du, hast du eine Methode gefunden, die für dich funktioniert?
Ich bin wirklich schlecht im Auswendiglernen. Am Anfang wurde mir eingetrichtert, dass man ohne das im Medizinstudium nicht durchkommt. Inzwischen weiß ich: Wenn ich ein Thema wirklich verstanden habe, merke ich es mir viel besser. Karteikarten schreibe ich keine. Ich lasse mir Vorlesungsfolien mit einem KI-Tool zusammenfassen und arbeite mich dann mit dem Tool, Google und einem Lehrbuch immer tiefer rein, bis sich ein zusammenhängendes Bild ergibt. Nur bei stur Auswendiglernen, etwa Medikamentennamen, nutze ich digitale Karteikarten – im Bus oder wenn ich irgendwo warte. Viele denken, der Zeitdruck sei zu groß, und lernen deshalb nur auswendig. Ich spare mir dadurch Lernzeit, weil alles Neue an das anknüpft, was ich verstanden habe.
Was machst du zum Ausgleich?
In Rostock gibt es super Unisport, ich spiele Volleyball und Tennis, ich bin mit Freunden viel am Strand, und ich koche gern mit meinem Freund. Gerade in Prüfungsphasen ist es wichtig, sich solche Kleinigkeiten zu erhalten. Man lernt ja nicht zwölf Stunden am Tag: eine Stunde fürs Kochen, eine für Sport, das macht den Kopf klar. Nach dem Physikum habe ich das erst richtig gemerkt. Davor habe ich mich völlig dem Lernen verschrieben. In der Klinik ist es lockerer, die Klausuren sind praxisnäher. Man lernt nicht mehr aus Angst durchzufallen, sondern weil es einen interessiert. Und der Austausch mit Vertrauenspersonen bringt mich runter. Es hilft, so viele Leute im Studiengang zu haben, die das Gleiche durchmachen. Meine Mutter ist außerdem Ärztin, eine Vertrauensperson, die das alles schon durchgestanden hat.
Du bist auch online aktiv. Wie kam es dazu?
Angefangen habe ich während meines Pflegepraktikums. Ich hatte vorher Chemie studiert und gemerkt, dass ich nicht nur im Labor sein möchte. In der Zeit standen Bewerbung, Medizinertest und viele Unsicherheiten an und ich dachte: Damit bin ich sicher nicht allein. Also habe ich geteilt, was mir geholfen hat. Der Austausch ist mir bis heute das Wichtigste.
Was unterscheidet deinen Content von anderem?
Viele teilen Faktenwissen oder die perfekte Routine. Dagegen spricht nichts. Aber ich habe mich davon manchmal schlecht gefühlt, weil ich nicht so viel geschafft habe oder in Prüfungsphasen der Sport hinten runterfällt. Wenn mich das trifft, geht es anderen sicher genauso – erst recht, wenn sie keinen Studienplatz bekommen haben oder in der Uni nicht gut ankommen. Viele sind in der Vorklinik ziemlich allein, weil es nur ums Lernen geht. Ich bekomme Nachrichten von Menschen, die sagen, es hilft ihnen zu sehen, dass es auch anders sein kann und man positiv bleiben kann, wenn es gerade nicht optimal läuft.
Wie stellst du dir deine Zukunft vor?
Ich bin ein absoluter Teamplayer. In meiner Traumvorstellung arbeite ich im Krankenhaus – auch wenn man darüber gerade wenig Gutes hört. Aber ich verbinde damit mein Interesse an der Medizin und den Wunsch, Menschen zu helfen und in einem Fach richtig gut zu werden. Welches es wird, weiß ich noch nicht. Und ich kann mir Lehre vorstellen. Wenn man einen Dozenten hat, der wirklich gern unterrichtet, begeistert einen das Fach viel mehr, als wenn jemand nur vorliest. Vielleicht bin ich darin gut, weil ich mich online gern mit Menschen austausche.
Und im Forschungsjahr?
Es geht um Multiple Sklerose, ein Bereich, in dem viele Fachrichtungen zusammenarbeiten. Nach dem Physikum hatte ich eine Phase, in der ich gehangen habe und auch meine mentale Gesundheit vernachlässigt habe. Jetzt geht es wieder viel besser. Ich nehme mir dieses Jahr, um mich in etwas reinzufuchsen.