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Unterscheidet sich die Arbeit eines Pathologen von der eines Gerichtsmediziners?
»Grundsätzlich kann man sagen, dass die Pathologie in Krimis nie eine richtige Pathologie ist – sondern immer eine Rechtsmedizin«, so Schierle. Zwar obduzieren beide Fachrichtungen tote Menschen, aber »Messerstiche, Projektile und Co. interessieren uns Pathologen erst mal nicht«. Die sind nämlich das Metier der Rechtsmediziner:innen, die dann Skalpell und Pinzette zücken, wenn ein gewaltsamer Tod passiert ist.
Was untersucht ein Pathologe bei einer Obduktion?
Patholog:innen kommen bei einem natürlichen Tod zum Einsatz, um den Feind im eigenen Körper zu entlarven und diesen von »Hacke bis Nacke«, vom großen Zeh bis an den Scheitel auf organische Veränderungen hin zu untersuchen. »Wir müssen uns in jeder Ecke des menschlichen Körpers auskennen und arbeiten unter anderem mit verschiedenen Fachrichtungen zusammen: von der Dermatologie über die Onkologie bis zur Chirurgie. Aber eben nicht mit Polizeibeamt:innen.«
Übersetzungsfehler: »Forensic Pathologists« sind keine Pathologen
Aber ist die Arbeit an Leichen der einzige Grund für die notorische Verwechslung? »Ich schätze, eine der Ursachen ist auch ein Übersetzungsproblem«, so Schierle. Denn in den USA heißen die Rechtsmediziner:innen unter anderem »Forensic Pathologists« – forensische Pathologen bzw. Pathologinnen. Wird bei der Übersetzung fälschlicherweise das Adjektiv gekürzt, arbeiten plötzlich Patholog:innen in der Gerichtsmedizin. Dass das nicht korrekt ist, erfahren sogar manche medizinischen Erstsemester erst bei der Berufsfelderkundung. Schierle: »Tatsächlich sind selbst einige Studierende überrascht von den Aufgaben der Pathologie. Einige erwarten ein Szenario à la Tatort.«
Was machen Pathologen?
Patholog:innen verbringen den größten Teil ihrer Arbeit nicht am Präpariertisch, sondern am Mikroskop. »Alles, was man von oder aus einem Menschen heraus entfernen kann, kommt zu uns. Das kann ein Hautknubbel, die Gewebeprobe einer Knipsbiopsie oder ein großer Zeh sein.« Und das nicht nur von toten, sondern in der Regel von lebenden Patient:innen.
Welche Bedeutung hat die Pathologie für die Diagnose von Krankheiten?
Die moderne Pathologie ist für die Diagnostik und Behandlung von Erkrankungen enorm wichtig. Patholog:innen untersuchen Gewebeproben von erkrankten Menschen. Durch die genaue Charakterisierung des feingeweblichen Bildes – zum Beispiel von Tumoren – ermöglicht die Pathologie eine optimale und zielgerichtete Therapie. Auch dank der Pathologie kann die Therapie genau auf Patient:innen abgestimmt werden.
Was sind die Hauptaufgaben von Pathologen?
Untersucht wird zum Beispiel, ob sich Entzündungen oder gar Krebszellen im Gewebe befinden. Begonnen wird dabei immer mit einer makroskopischen Betrachtung: »Wenn wir zum Beispiel ein Stück von der Brust mit einem Tumor erhalten, messen wir zuerst das Gewebe mit dem Tumor aus, wiegen es und untersuchen es auf weitere optische Auffälligkeiten.« Danach fertigen die medizinisch-technischen Assistent:innen histologische Präparate aus den Proben an, die die Patholog:innen später mikroskopisch betrachten. Anschließend wird der Befund gemacht oder weitere Untersuchungen werden durchgeführt. Große Unterschiede zwischen der klinischen und ambulanten Pathologie gibt es dabei übrigens nicht. »Wir machen dasselbe in unterschiedlichen Räumen. Es gibt natürlich auch große und kleine Praxen oder auch Verbünde. Aber auch Patholog:innen in Niederlassung machen alles, von kleinen Präparaten bis zur Obduktion.« Eine weitere Gemeinsamkeit: Mit Patient:innen haben beide selten Kontakt. Was Patholog:innen von ihren Patient:innen wissen, sind meist nur Vorerkrankungen, Geburtsdatum, Name und Geschlecht.
In welchen Bereichen der Medizin arbeiten Pathologen?
Patholog:innen absolvieren ein normales sechs- bis siebenjähriges Medizinstudium. Dann folgt die Spezialisierung zum Facharzt oder zur Fachärztin für Pathologie in einer sechsjährigen Ausbildung.
Meist spezialisieren sich Patholog:innen während ihres Berufslebens auf bestimmte Bereiche der Pathologie:
Es gibt die
- anatomische Pathologie,
- chirurgische Pathologie,
- molekulare Pathologie und
- klinische Pathologie.
Pathologen sind Detektive ohne Mordfall
Das Bild von einsamen Patholog:innen am Mikroskop ist übrigens ebenfalls eine falsche Fährte. Denn im Gegenteil: Die Arbeit in Teams ist in der Pathologie sehr wichtig. Alle bösartigen Befunde müssen mindestens zwei Patholog:innen sehen. »Ich sitze nicht alleine am Mikroskop und rattere meine Diagnosen herunter. Das ist schon ein Schutz für uns selbst und dient auch der Patientensicherheit.« Auch ein weiteres Vorurteil hält sich noch wacker: »Manche sagen, Pathologie ist nur etwas für die Toten. Aber das stimmt nicht«, so Schierle. Die Erkenntnisse, die Patholog:innen beim Obduzieren gewinnen, haben direkten Einfluss auf aktuelle Therapieverläufe. »Wenn ich Mist baue, erhält jemand eine falsche Therapie.« Jede Gewebeprobe ist wie ein komplexes Rätsel, das gelöst werden muss. »Als Pathologe muss man schon Spaß daran haben, jede Feinheit zu erkennen, zu tüfteln, bis man dann die richtige Lösung gefunden hat. In dem Sinne sind wir schon ein bisschen wie Detektive – nur ohne Mordfall.«