Die KWEX-Studie (Karrierewahl und Existenzgründungsentscheidungen) untersucht, wie Ärzt:innen und Psychotherapeut:innen ihre Karriere gestalten und warum sie sich für oder gegen die Niederlassung entscheiden.
Im Frühjahr 2024 wurden über 1.400 Neu-Niedergelassene des Jahres 2023 befragt: Wie war der Weg in die eigene Praxis? Welche Unterstützung haben sie erhalten? Und wie zufrieden sind sie heute? Die Antworten liefern wertvolle Einblicke.
Wer sich niederlässt und wann
Etwa ein Drittel der Ärzt:innen und Psychotherapeut:innen, die sich 2023 niederließen, war jünger als 40 Jahre. Der Durchschnitt liegt bei knapp 43 Jahren, die meisten starten zwischen 40 und 49.
Und noch etwas fällt auf: Mit 60,9 % sind es vor allem Frauen, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. Im psychotherapeutischen Bereich sogar 81,3 %. Das zeigt, dass die Niederlassung längst keine Männerdomäne mehr ist, ganz im Gegenteil.
Rund 76 % der Niedergelassenen leben gemeinsam mit Kindern im Haushalt. Familie und Praxis? Das geht zusammen. Viele sehen genau das als einen ihrer wichtigsten Gründe für die Niederlassung: die bessere Vereinbarkeit.
Erwartung trifft Realität
Wer vor einer großen Entscheidung steht, hat viele Fragen und mitunter auch Sorgen. Nicht anders ergeht es auch Mediziner:innen, die den Schritt in die Niederlassung gehen möchten.
Die Studie legt dar, dass sich die Sorge, als Unternehmer:in zu scheitern, bei den meisten als unbegründet erwies:
Fast 70 % der Befragten gaben an, dass sich ihre Bedenken bezüglich fehlender Geschäftsführungskompetenz nach der Niederlassung nicht bestätigt haben. Mit anderen Worten: Die unternehmerischen Aufgaben sind zwar da, aber sie sind erlernbar und bewältigbar.
Die Herausforderungen
Der Weg in die Niederlassung bringt Herausforderungen mit sich, auch das zeigt die Studie. Wo liegen die größten Hürden?
Drei von vier Neu-Niedergelassenen empfanden den administrativen Aufwand als schwierig. 72,3 % fanden ihr betriebswirtschaftliches Vorwissen unzureichend. Viele waren im Nachhinein unzufrieden mit dem zeitlichen Aufwand (60,3 %), den Kosten (58,5 %) und dem Zugang zu Fördermöglichkeiten (57 %).
Zufriedenheit: Die große Mehrheit würde es wieder tun
Doch diese Zahlen erzählen nicht die ganze Geschichte. Denn trotz dieser Herausforderungen sagen 77 % der Befragten: Wir würden es wieder tun.
Was macht sie so zufrieden?
- 96,8 % sind zufrieden mit der therapeutischen Beziehung zu ihren Patient:innen.
- 94,9 % schätzen die Möglichkeit, eigenverantwortlich zu arbeiten.
- 92,5 % fühlen sich von ihren Patient:innen wertgeschätzt.
Es gibt zwar Herausforderungen: Zum Beispiel der Verwaltungsaufwand und die mitunter knappe Zeit pro Patient:in.
Doch unterm Strich? Die Zufriedenheit überwiegt.
Warum sich Ärzt:innen und Psychotherapeut:innen niederlassen
Die Gründe für die Niederlassung sind vielfältig. Sie zeigen, worauf die Mediziner:innen großen Wert legen und wie sie ihre berufliche Zukunft gestalten möchten. Deutlich wird, dass eine ausgeglichene Work-Life-Balance eine wichtige Rolle spielt.
Das spricht laut Befragung für die Niederlassung:
- Freie Gestaltung der Arbeitszeit (87,2 %)
- Mehr Freude an der Arbeit (86,4 %)
- Bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie (80,3 %)
- Nähe zu Partner:in, Freund:innen, Familie (87,5 %)
- Eigenverantwortung und Wertschätzung der Patient:innen
Die Niederlassung ist keine rein wirtschaftliche Entscheidung. Sie ist eine Entscheidung für Lebensqualität.
Der Weg in die Niederlassung und wer dich dabei unterstützt
Wie lange dauert es, bis aus der Idee »Ich will mich niederlassen« Realität wird?
Schneller als gedacht: Über 60 % reichten weniger als 12 Monate nach der ersten aktiven Beschäftigung mit dem Thema ihre Bewerbung beim Zulassungsausschuss ein. Von der Zusage bis zu den ersten Patient:innen vergingen im Schnitt nur etwa 3 Monate. Natürlich gibt es auch längere Wege, aber die Botschaft lautet: Es geht voran. Und du bist nicht allein.
KV-Beratungen sind wertvoll
64,1 % der Neu-Niedergelassenen nutzten die Beratungsleistungen der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) und empfanden sie als hilfreich. Weitere 50,4 % holten sich zusätzlich Unterstützung von gewerblichen Dienstleistern.
Die KV-Berater:innen kennen die regionalen Besonderheiten, wissen, welche Förderprogramme greifen, und begleiten dich durch die administrativen Herausforderungen. Viele Befragte wünschten sich sogar noch mehr Unterstützung, besonders zu organisatorischen Fragen und Fördermöglichkeiten.
Wichtig: 85,0 % erhielten auch Unterstützung aus dem privaten und kollegialen Umfeld. Sie alle tragen dazu bei, dass der Schritt in die eigene Praxis gelingt.
Praxisformen: Einzelpraxis bleibt die Nummer 1
Fast zwei Drittel der Neu-Niedergelassenen entscheiden sich für die Einzelpraxis, entweder als Übernahme (34,6 %) oder als Neugründung (26,5 %).
Berufsausübungsgemeinschaften (BAG) spielen ebenfalls eine wichtige Rolle: 37,2 % ließen sich in einer BAG nieder, sei es durch Übernahme, Neugründung oder Beitritt. Im fach- und hausärztlichen Bereich sind sowohl Einzel- als auch Gemeinschaftspraxen stark vertreten.
Die Botschaft: Es gibt nicht nur den einen Weg.
Fazit: Es lohnt sich
Die KWEX-Studie zeigt: Die Niederlassung ist kein Sprung ins Ungewisse. Sie ist ein Schritt, der sich für deine Lebensqualität, deine Patient:innen und deine berufliche Zufriedenheit lohnt.
Die Sorgen, die du vielleicht jetzt hast? Viele vor dir hatten sie auch. Und die meisten sagen heute: Es war dennoch die richtige Entscheidung.
Du musst diesen Weg nicht allein gehen. Die Kassenärztlichen Vereinigungen, Förderprogramme und dein privates Netzwerk können wertvolle Unterstützung leisten.