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Ein großes Lernpensum, ein hoher Lerndruck und viele Prüfungen: Der Stress im Studium hinterlässt bei Studierenden Spuren. Das zeigt beispielsweise auch die Dissertation »Was hält Medizinstudierende gesund?«, die an der Universität zu Lübeck geschrieben wurde: Medizinstudierende machten Angaben zu ihrer Verfassung vor Beginn und im Verlauf ihres Studiums. Auch Ärzt:innen in der frühen Berufstätigkeit gaben Auskunft. Das Ergebnis: Je weiter das Medizinstudium und der Berufsstart voranschritten, desto mehr rückten Sport, Freundschaften und Hobbys in den Hintergrund.  Das führte zu einer Belastung der Psyche.

Auch die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) berichtet von steigenden Anfragen bei psychologischen Beratungsstellen, zum Beispiel im Studentenwerk.

Was sind die Ursachen und Risikofaktoren?

Die möglichen Ursachen für psychische Belastungen im Medizinstudium sind vielschichtig:

  • Leistungs- und Prüfungsdruck: Der Konkurrenzdruck und die anspruchsvollen Prüfungen können zu einem chronischen Stress- und Belastungsgefühl führen.
  • Zeitmangel und Schlafdefizite: In einer Studie der Technischen Universität München fanden Wissenschaftler:innen heraus, dass Schlafmangel bei Studierenden besonders in Phasen einer hohen Studienbelastung zu verstärkten Symptomen von Gereiztheit und Erschöpfung führt.
  • Emotionale Belastung: Der frühe Kontakt mit Leid, Tod und Therapieentscheidungen stellt eine psychische Ausnahmesituation dar.

Diese mentale Belastung kann Auswirkungen haben: Medizinstudierende leiden in diesen Fällen unter Konzentrationsproblemen und mitunter auch Prüfungsangst. Langfristig kann das Risiko für Burnout und Depressionen im ärztlichen Berufsleben steigen. 

Lösungsstrategien: Die mentale Gesundheit stärken

Je eher du im Studium damit beginnst, auf deine mentale Verfassung zu achten, desto besser. Denn auf diese Weise lernst du rechtzeitig eigene Strategien zu entwickeln, die dir helfen, gesund durch das Studium und dein späteres Berufsleben zu kommen. 

Tipps, um deine Psyche zu stärken

  • Achtsamkeit und Selbstfürsorge: Achtsamkeitsübungen helfen dir, deine Wahrnehmung und Selbstreflexion zu stärken. So erkennst du schneller, wenn der Stress zu viel wird und du mehr auf dich achtgeben musst. Mehrere Studien (zum Beispiel eine Studie zu Achtsamkeitstraining an der Universität Heidelberg) zeigen, dass regelmäßige Meditationen Stress und depressive Symptome dauerhaft senken können.
  • Mentale Pausen schaffen: Der Wechsel zwischen intensiven Lernphasen und bewussten Ruhezeiten ist entscheidend. Regelmäßige Pausen und Bewegung verbessern die Konzentrationsfähigkeit spürbar. Auch wenn es sich vielleicht nicht so anfühlt – Pausen stärken dich und lassen dich besser vorankommen. Das zeigt auch die wissenschaftliche Arbeit »Mehr schaffen in weniger Zeit – durch Pausen«, Ludwig-Maximilians-Universität München.
  • Soziale Unterstützung: Austausch in Lerngruppen wirkt präventiv gegen Überforderung und soziale Isolation. Triff dich mit anderen Studierenden und versuche auch in stressigen Phasen deine Freund:innen zu sehen und zu sprechen.
  • Professionelle Hilfe annehmen: Es ist in Ordnung, Hilfe von Profis anzunehmen, damit du dich wieder mental gestärkt fühlst. Universitäten bieten häufig kostenlose Beratung für psychische Belastungen an, oft anonym. Frühzeitige Hilfe kann verhindern, dass Stress krankhaft wird.

Was tun Fakultäten für die mentale Gesundheit?

Einige Fakultäten haben auf die psychische Belastung Medizinstudierender reagiert und bieten zum Beispiel spezielle Mentoring-Programme an: Persönliche Mentor:innen fördern Offenheit im Austausch und stärken Selbstwirksamkeit. Einige Universitäten haben auch Workshops und Schulungen zu Themen wie Resilienz, Selbstorganisation und Burnout-Prävention im Angebot. Diese werden zunehmend auch Bestandteil der Lehrpläne. Hier lohnt ein genauer Blick bei deiner Hochschule oder frage direkt in der Zentralen Studienberatung danach.

Mentale Gesundheit ist längst kein Randthema mehr, sondern vielmehr Voraussetzung für langfristig gute ärztliche Arbeit. Ein Klima der Offenheit, geregelte Pausen, Peer-Unterstützung und niedrigschwellige Beratungsangebote sind die effektivsten Schutzfaktoren. Programme an deutschen Universitäten zeigen bereits, dass Veränderung möglich ist, wenn mentale Balance als Teil professioneller Kompetenz verstanden wird. 
 

 

Über die Autor:innen

Das Redaktionsteam der Kassenärztlichen Bundesvereinigung

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) ist die Dachorganisation aller 17 Kassenärztlichen Vereinigungen und vertritt die Interessen von Vertragsärzt:innen und Psychotherapeut:innen auf Bundesebene. Auf »Lass dich nieder!« gibt das Redaktionsteam Medizinstudierenden nützliche Tipps rund ums Studium und teilt Erfahrungen und Fakten rund um die ärztliche Niederlassung.

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