Die Auswirkungen des Klimawandels sind längst in den Arztpraxen angekommen. Steigende Temperaturen belasten nicht nur sensible Patient:innengruppen, sondern auch das Praxisteam.
Warum ist Hitzeschutz in der Praxis wichtig?
Arztpraxen sind besonders gefordert, da dort ohnehin sensible und durch Krankheit geschwächte Menschen behandelt werden.
Bestimmte Gruppen unter ihnen betrifft Hitze in besonderem Maß. Das sind Menschen, die …
- älter als 65 Jahre sind,
- chronisch krank oder pflegebedürftig sind,
- Übergewicht haben,
- bestimmte Medikamente einnehmen (zum Beispiel Antidepressiva oder Psychopharmaka),
- sowie Säuglinge und Kleinkinder bis 4 Jahre.
Extreme Hitze kann gerade bei diesen Gruppen schnell zu einem gesundheitlichen Problem werden. Aber nicht nur sie leiden unter extremen Temperaturen. Auch das Praxisteam steht vor großen Herausforderungen.
Arbeiten unter hohen Raumtemperaturen bedeutet, dass Gesundheit sowie Konzentrations- und Leistungsfähigkeit leiden können. Im Arbeitsschutzgesetz ist daher auch genau angegeben, was du als Arbeitgeber:in bei der Raumtemperatur beachten musst: Auch für Arztpraxen gilt die Arbeitsstättenverordnung oder genauer: Die Technischen Regeln für Arbeitsstätten konkretisieren die Anforderungen der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) im Hinblick auf Raumtemperaturen, wonach Praxisinhaber:innen ab einer Raumtemperatur von über 26 Grad Celsius geeignete Maßnahmen zur Abkühlung einleiten müssen.
Bei über 35 Grad Celsius wird es kritisch, dann dürften in den Praxisräumen keine Sprechstunden mehr stattfinden. Denn: Der Raum ist für die Zeit der Überschreitung ohne ganz spezielle technische, organisatorische oder personelle Maßnahmen nicht mehr als Arbeitsraum geeignet. Die Regeln geben dafür zum Beispiel Luftduschen, Wasserschleier oder das Tragen von Hitzeschutzkleidung an. Das ist in einer Arztpraxis kaum praktikabel.
Technische Maßnahmen für kühle Praxisräume
Mit einigen baulichen und technischen Anpassungen kannst du die Temperatur in deinen Räumlichkeiten deutlich senken:
- Optimiere dein Lüftungsverhalten: Lüfte hauptsächlich nachts und morgens, vermeide aber Zugluft.
- Dunkle konsequent ab: Halte tagsüber Jalousien und Rollläden geschlossen.
- Nutze technische Hilfen: Setze zum Beispiel Ventilatoren ein.
- Reduziere Wärmequellen konsequent: Schalte elektrische Geräte nur bei Bedarf ein.
Diese Maßnahmen helfen nicht nur, die Raumtemperatur zu senken, sondern sparen langfristig auch Energiekosten.
Praxisorganisation in Hitzeperioden
Neben technischen Lösungen sind auch organisatorische Veränderungen sinnvoll. Besprecht zum Beispiel im Team, welche Person hauptsächlich für den Hitzeschutz in der Praxis zuständig sein könnte. Auf diese Weise gehen bestimmte Abläufe und Maßnahmen in der Hektik des Praxisalltags nicht verloren. Wichtig ist auch, die Kühlung bestimmter Medikamente und Materialien im Blick zu behalten, die aufgrund der hohen Temperaturen Schaden nehmen könnten. Das gesamte Praxisteam sollte darin geschult sein, hitzebedingte Symptome bei Patient:innen rasch zu erkennen.
Auch die Terminvergabe kann an die Hitzeperiode angepasst werden. Besonders schwache und sensible Patient:innen sollten möglichst Termine zu kühleren Tageszeiten erhalten, sofern dein Praxisbetrieb dies zulässt.
Damit dein Team gut durch den Arbeitstag kommt, sollte es regelmäßig Hitzepausen geben. Am besten diese gleich einplanen und im Blick behalten. Sinnvoll ist es auch, ausreichend Getränke sowohl für Patient:innen als auch für das Praxisteam bereitzustellen. Ein gut strukturierter Hitzeschutzplan hilft, diese Maßnahmen systematisch umzusetzen. Die KBV hat dazu eine praktische Checkliste entwickelt, die du an die individuellen Gegebenheiten deiner Praxis anpassen kannst. Diese Liste sowie weitere Links und Downloads zum Thema Klimaschutz und Praxis findest du auf der Website der KBV.
Wie du deine Patient:innen schützen und informieren kannst
Auch deine Patient:innen profitieren von gezielten Hitzeschutzmaßnahmen in deiner Praxis:
- Trinkwasser bereitstellen: Platziere Wasserspender im Wartezimmer.
- Kühlpads bei Bedarf: Halte Kühlpads bereit für besonders sensible Patient:innen.
- Informationsmaterialien auslegen: Informiere deine Patient:innen, worauf diese bei heißen Temperaturen besonders achten müssen. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit, früher Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, bietet dazu verschiedene Informationsmaterialien an.
- Medikamentenpläne überprüfen: Passe bei Bedarf die Medikation an, da manche Arzneimittel die Hitzeempfindlichkeit erhöhen können.
- Gezielte Aufklärung: Informiere besonders Risikogruppen – zum Beispiel Diabetes-Patient:innen – über vorbeugende Maßnahmen.
- Auf hitzebedingte Symptome achten: Fallen Patient:innen auf, die verwirrt wirken, eine veränderte Gesichtsfarbe aufweisen oder über Kopfschmerzen klagen?
Als niedergelassene:r Mediziner:in kannst du einen wichtigen Beitrag leisten. Mit einem durchdachten Hitzeschutzplan schützt du nicht nur deine Patient:innen und dein Team, sondern trägst auch zur Anpassung des Gesundheitswesens an die Herausforderungen des Klimawandels bei.