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1907 öffnete Johannes Fibiger den Magen einer Laborratte – und starrte auf ein medizinisches Paradox. Die Gewebswucherungen, die er entdeckte, umgaben winzige Spulwürmer. Seine Diagnose: Die Parasiten induzieren Krebs! 1913 gelang es ihm, durch Verfütterung von Küchenschaben, die als Zwischenwirte für die Würmer dienten, bei gesunden Ratten den vermeintlichen Magenkrebs experimentell zu erzeugen.

Triumph und Fall

Für seine Entdeckung erhielt Fibiger 1926 den Nobelpreis für Medizin. Nach seinem Tod 1928 zeigten unabhängige Forschungen jedoch, dass die beobachteten Tumore nicht durch den Wurm, sondern durch Vitamin-A-Mangel verursacht wurden. Fibiger hatte gutartige Veränderungen fälschlicherweise als bösartig identifiziert.

Übergangene Pioniere

Ironischerweise hatten die japanischen Wissenschaftler Yamagiwa und Ichikawa bereits 1915 – elf Jahre vor Fibigers Nobelpreis – den ersten wissenschaftlich korrekten Nachweis für künstliche Krebserzeugung erbracht. Sie strichen Kohlenteer auf Kaninchenohren und erzeugten so echte Karzinome. Trotz mehrfacher Nominierung blieb ihnen der Nobelpreis verwehrt, während Fibiger für seine später widerlegte Theorie geehrt wurde. Dennoch gilt Fibiger als wichtiger Impulsgeber für die experimentelle Krebsforschung.
 

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