Weiterbildung

»Ärztin zu sein – das hatte etwas Unerreichbares«

Laura steht am Anfang ihrer Weiterbildung zur Fachärztin für Innere Medizin, danach will sie sich niederlassen. Hier erzählt die 29-jährige Berlinerin, warum es für sie früher nicht in Frage kam, Hausärztin zu werden – und wie eine einzige Woche ihre Meinung änderte.

Nächste Station Schweiz. Laura arbeitet im Rahmen ihrer Ausbildung als Nächstes in einer Reha-Klinik in den Bergen, dann in einer größeren Klinik in Luzern, um dann zurück nach Berlin zu kommen. © Chris Noltekuhlmann

Warum ich Medizin studiert habe? Meine Eltern sind beide Psychotherapeuten, daher kommt vielleicht mein Interesse am Menschen und seinen Problemen. Die reine Psychotherapie war aber nie so meins. Mir haben in der Schule vor allem Fächer wie Mathe, Chemie und Biologie Spaß gemacht. Medizin zu studieren habe ich trotzdem lange für mich ausgeschlossen. Ich hatte eine Phase, da wechselten meine Berufswünsche ständig: von  Lehrerin zu Modedesignern und zurück in wenigen Tagen. Arzt oder Ärztin zu sein – das hatte für mich lange etwas Unerreichbares. Als es dann aufs Abi zuging und meine Noten ziemlich gut waren, dachte ich  aber doch: Warum eigentlich nicht? Ich habe dann direkt nach meinem Abschluss ein Pflegepraktikum gemacht, um herauszufinden, ob dieser Beruf wirklich etwas für mich ist. Mir ist zwar hin und wieder schwindelig bei Operationen geworden, aber ansonsten hat mir das Pflegepraktikum wahnsinnigen Spaß gemacht. Danach war mir klar: Medizin ist das Richtige für mich.

»Wofür mache ich das eigentlich?«

Das Studium war gut, aber auch echt anstrengend. Besonders während der ersten Jahre habe ich immer wieder gezweifelt. Mich gefragt: Was mache ich hier eigentlich? Bei dem riesigen Berg an Lernstoff verliert man leicht das große Ganze aus den Augen. Die Wende kam mit einem Pflichtpraktikum im 10. Semester: Da mussten wir alle eine Woche bei einem Hausarzt absolvieren. Ich hatte darauf keine große Lust. Hausärztin zu werden war so ziemlich das Letzte, was ich mir vorstellen konnte. Im Nachhinein war diese kurze Zeit aber eines der Highlights meines Studiums. Der Hausarzt, bei dem ich hospitierte, hat mich wirklich an die Hand genommen und mir gezeigt, was Medizin in der Praxis bedeutet. Und er hat mich motiviert, besser zu werden. Einmal sollte ich zum Beispiel die Lunge eines Patienten abhören. Er fragte mich: »Was hörst du?« Und ich antwortete: »Na die Atemgeräusche, das Ein- und Ausatmen.« Dann hat er mich auf die Seite genommen und gesagt: »Hör mal Laura, das ist dein Beruf. Für diese Geräusche gibt es Fachbegriffe – die musst du wissen und verwenden!« Da habe ich gemerkt, dass es Sinn hat, was ich im Studium lerne. Als ich den Hausarzt bei seiner Arbeit in der Praxis, den Hausbesuchen oder bei seinen Einsätzen als Arzt in einem Altersheim gesehen habe, wusste ich, dass ich mir genau das – Hausärztin sein – auch für meine Zukunft wünsche. Mich reizt dabei nicht nur der intensive und langjährige Kontakt mit den Patienten, sondern auch die Rolle als Filter: Als Hausärztin bist du die erste Anlaufstelle für die Menschen, die ein Problem haben. Und deine Aufgabe ist es, einzuschätzen, ob zum Beispiel die Bauchschmerzen nur eine kleine Beschwerde sind, vielleicht der Versuch, nicht an einer Klausur teilzunehmen. Oder, ob eine ernste Erkrankung dahinter steckt. Das ist eine riesige Verantwortung. Deshalb habe ich mich auch entschieden, nicht nur den vierjährigen Allgemeinmedizin-Facharzt sondern den fünfjährigen Facharzt für Innere Medizin zu machen. Und ich möchte danach noch so lange in einer Klinik arbeiten, bis ich genug Erfahrungen und Fachkenntnis erlangt habe, damit ich mich mit einem guten Gefühl niederlassen kann.

»In der Klinik bleibt kaum Zeit für Dinge jenseits des Jobs«

Natürlich reizt mich an der eigenen Praxis die Aussicht, meine eigene Chefin zu sein. Ich will meine Sprechzeiten selbst festlegen und mir aussuchen, ob ich eine Praxis alleine oder in einer Gemeinschaft führen will. Ich erhoffe mir außerdem, dass die Arbeit mit einer Familie vereinbar ist und dass ich einmal wirklich am Leben meiner Kinder teilhaben kann. Nach dem Abschluss meines Studiums habe ich erst einmal an einer großen Universitätsklinik gearbeitet. Dort habe ich festgestellt, dass ich so einen Alltag langfristig nicht will: Nacht- und Wochenenddienste, eine hohe Arbeitsbelastung kombiniert mit der Verpflichtung, nebenbei bis zu zehn Stunden pro Woche zu lehren – da bleibt kaum Zeit für Dinge jenseits des Jobs. Als Nächstes gehe ich für ein bis zwei Jahre in die Schweiz; zuerst in eine Reha-Klinik in den Bergen, dann in eine größere Klinik in Luzern. Den Rest meiner Facharztausbildung möchte ich aber gern in Berlin machen. Und mein Traum ist es, mich danach hier, in meiner Heimat, niederzulassen.