Famulatur

Auslandsfamulatur: gutes Rezept gegen Fernweh

Ein neues Land kennenlernen, Erfahrung sammeln und im Studium vorankommen: eine Auslandsfamulatur bietet dir genau das. Erfahre mehr über mögliche Anbieter, finanzielle Unterstützung und worauf du besonders achten solltest.

Während deiner Famulatur im Ausland darfst du mitunter Patienten selbst untersuchen – je nachdem wie weit du schon bist und in enger Absprache mit den Ärzten vor Ort. © istock.com/Weekend Images Inc.

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Während des Studiums Zeit im Ausland zu verbringen, ist verlockend. Gleich ein ganzes Semester jenseits der Landesgrenzen zu planen, ist für viele Studierende aber mit hohem Aufwand verbunden. Deutlich einfacher ist da die Organisation einer Auslandsfamulatur, um ein anderes Land, sein Gesundheitssystem und seine Kultur kennenzulernen.

Anrechnung deiner Auslandsfamulatur

Bevor du in die Planung deiner Auslandsfamulatur einsteigst, ein paar wichtige Informationen vorweg:

  • Mache dich so früh wie möglich an deiner Universität schlau, welche Bedingungen gelten, damit deine Auslandsfamulatur später auch angerechnet wird. Die Anrechnung kann auch gebührenpflichtig sein.

  • Damit deine Tätigkeiten im Gastland vergleichbar sind, müssen sie bestimmten Standards genügen, die auf das deutsche Gesundheitswesen angewendet werden können. Daher wird mitunter die Auslandsfamulatur in Entwicklungsländern nicht durch Prüfungsämter empfohlen.

  • Die Hausarztfamulatur darfst du laut Approbationsordnung für Ärzte grundsätzlich nicht im Ausland absolvieren.

Unterstützung bei der Organisation

Du kannst unterschiedliche Wege gehen, um deine Auslandsfamulatur zu planen. Diese Organisationen können dir dabei helfen:

Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e. V.

Die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e. V. (bvmd) schickt jährlich über 400 Medizinstudierende in andere Länder und gilt daher als Expertin für Auslandsfamulaturen. Die Partner der bvmd managen dabei die Famulatur und organisieren die Unterkunft. Um in den Genuss zu kommen, musst du dich bewerben.

Das Bewerbungsverfahren, das 150 Euro kostet, erfolgt zweistufig. Für die erste Stufe bewirbst du dich zunächst bei der bvmd nach einem bestimmten Muster, das auf der bvmd-Website beschrieben ist. Du kannst dabei drei Wunschländer oder Projekte angeben. Die bvmd verteilt die freien Plätze aufgrund erreichter Punktzahlen und eines Motivationsschreibens, das du anfertigen musst. Hast du eine Zusage erhalten, beginnt die zweite Stufe. Du bewirbst dich dann über das IFMSA-Portal direkt beim Gastland. IFMSA steht für International Federation of Medical Students’ Associations. In diesem Schritt musst du unterschiedliche Dokumente einreichen, die in den sogenannten Exchange Conditions des jeweiligen Landes aufgeführt werden. Daher ist es sehr wichtig, dass du die Exchange Conditions genau durchliest und beachtest. Du findest dort beispielsweise Hinweise, welche Sprachen du exzellent beherrschen oder auch, welche Dokumente du einreichen musst.

Alle ausführlichen Informationen – auch zu Bewerbungsfristen, Bewerbungsablauf und Zeiträumen, in denen Plätze in den einzelnen Ländern zur Verfügung stehen – findest du ebenfalls unter bvmd.de. Dort ist auch genau geschildert, wie es weitergeht, wenn du einen Famulaturplatz erhalten hast.

Partneruniversitäten der eigenen Fakultät

Viele Medizinische Fakultäten haben eine oder mehrere Partneruniversitäten im Ausland, zu denen ein intensiver Kontakt und auch Austausch bestehen. Ein Anruf in deinem Dekanat kann dir bei der Suche weiterhelfen. Welche Schritte du genau unternehmen musst und was alles in deine eigene Planungsverantwortung fällt, kannst du auch bei dem zuständigen Ansprechpartner dort erfahren. In der Regel ist eine Famulatur an einer Partneruniversität unkompliziert zu organisieren.

Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges – Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW)

In der IPPNW engagieren sich Ärztinnen und Ärzte, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sowie Medizinstudierende gegen die nukleare Bedrohung. Der Verein wurde 1985 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Er bietet Medizinstudierenden das Austauschprogramm „famulieren & engagieren“ an. Das Programm sieht die Famulatur und ein Praktikum in einem Gesundheits- oder Friedensprojekt vor. Du hast also die Möglichkeit, über den medizinischen Tellerrand zu blicken und mehr über die sozialen und politischen Gegebenheiten in deinem Gastland zu erfahren. Dafür bleibst du nach deiner Famulatur noch für mehrere Wochen in der Region. Vor Ort wirst du von langjährigen Partnern, oft auch von IPPNW-Mitgliedern selbst, betreut. Den Aufenthalt bezahlst du selbst, die IPPNW beteiligt sich aber mit 75 Prozent an den Reisekosten.

Ausführliche Informationen und Kontakt: ippnw.de 

 

Wichtige Versicherungen

Für deinen Aufenthalt im Ausland sind bestimmte Versicherungen sinnvoll. Dazu zählen:

  • Eine zusätzliche Auslandskrankenversicherung

    Deine gesetzliche Krankenversicherung reicht zur Absicherung nicht aus, da sie bestimmte Leistungen nicht erbringt. Dazu zählt zum Beispiel die Übernahme der Kosten bei einem krankheitsbedingten Rücktransport in die Heimat.

  • Eine Berufshaftpflichtversicherung

    Diese erhältst du zum Beispiel kostenfrei vom Hartmannbund, wenn du dort Mitglied bist. Der Hartmannbund – Verband der Ärzte Deutschlands e.V. ist ein freier Verband, der die beruflichen, wirtschaftlichen und sozialen Interessen aller Ärzte Deutschlands vertritt. Diese Versicherung ist für dich wichtig, weil sie im Ernstfall das finanzielle Risiko auffängt. Das heißt, sie springt ein, wenn dir ein Fehler bei der Ausübung deines Berufes passiert und du dafür haftbar gemacht wirst.

  • Eine Berufsunfähigkeitsversicherung

    Diese Versicherung ist generell wichtig für dich. Sie schützt dich davor, in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten, falls du deinen Beruf nicht mehr ausüben kannst. Je nach Absicherung kannst du damit deinen gewohnten Lebensstandard finanzieren oder dich zumindest grundlegend absichern. Grundsätzlich sind Medizinstudierende bei beruflichen Unfällen durch die gesetzliche Unfallversicherung geschützt. Doch bei Unfällen im privaten Bereich hört deren Leistungspflicht auf. Stößt dir während deiner Auslandsfamulatur etwas zu, bewegst du dich unter Umständen je nach Sachlage in einer rechtlichen Grauzone. Es ist unsicher, ob die gesetzliche Unfallversicherung zahlt – und vor allem bietet sie dir bei einer Berufsunfähigkeit kein angemessenes Einkommen. Die Rente aus der gesetzlichen Unfallversicherung ist eine Unfallrente, die sich nach dem Grad der dauerhaften Invalidität bemisst. Die Frage einer möglichen Berufsunfähigkeit berücksichtigt sie nicht.

Plane rechtzeitig

Rechne mit einer Planungszeit von einem Jahr. Das ist deshalb sinnvoll, weil du teilweise an bestimmte Bewerbungsfristen und -zeiten gebunden bist. Auch die Organisation der nötigen offiziellen Dokumente (Visum, Reisepass, Sprachzeugnisse) dauert seine Zeit.

 

Sicherheit und Reiseimpfungen

Informiere dich auf der Website des Auswärtigen Amtes, (Link hinterlegen https://www.auswaertiges-amt.de/de/ReiseUndSicherheit) wie es um die Sicherheit in deinem Wunschland bestellt ist. Wichtig ist außerdem, dass du deinen Impfstatus checken lässt. Eventuell brauchst du zusätzliche Impfungen. Die nötigen Informationen, welche Impfempfehlungen für dein Land gelten, erhältst du beispielsweise auf der Website des Robert-Koch-Institutes. Auch die Beratung in einer tropenmedizinischen Institution kann ratsam sein.