Interview Dr. Christopher Marchand
Beruf & Freizeit

»Für meine Kinder wirklich da zu sein, ist toll«

»Die Vielfalt in der täglichen Arbeit ist unser Trumpf – werdet Allgemeinmediziner«, empfiehlt Dr. Christopher Marchand. Wir haben mit dem weiterbildungsberechtigen Arzt und vierfachen Vater aus Berlin Charlottenburg über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in der Niederlassung gesprochen.

Dr. Christopher Marchand am Rande des Infotags »Praxis erleben« 2015: Marchand ist Facharzt für Allgemeinmedizin. Während seiner Weiterbildung zum Facharzt war er in der Inneren Medizin, Allgemeinmedizin, Chirurgie und Kinderheilkunde tätig. 2004 hat er sich mich mit seiner Hausarztpraxis in Berlin Charlottenburg niedergelassen, seit 2008 ist er weiterbildungsberechtigt für das Fach Allgemeinmedizin. Seine Praxis ist eine von 400 Lehrpraxen der Berliner Charité.

Herr Dr. Marchand, wann und warum haben Sie entschieden, sich als Allgemeinmediziner niederzulassen?

Schon früh im klinischen Abschnitt des Studiums habe ich gemerkt, dass mich eigentlich alle medizinischen Fächer interessieren. Da ist die Wahl der Allgemeinmedizin als Facharztweiterbildung naheliegend. Außerdem wollten meine Frau und ich ja auch Kinder, spätestens nach unserem Facharzt. Da war’s klar: An einer eigenen Praxis führt kein Weg vorbei. 

Sie sind verheiratet und haben vier Kinder: Welche Vorteile hat denn die Niederlassung gegenüber der Klinik, wenn es um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie geht?

Der größte Vorteil ist die Flexibilität. Ein Beispiel: Ich bin in der glücklichen Situation, meine beiden älteren Kinder aus der Schule abholen zu können, um dann das gemeinsame Mittagessen mit der ganzen Familie zu genießen. Am Wochenende habe ich Zeit, mit ihnen zu spielen und für gemeinsame Unternehmungen. Und es bleibt sogar noch Zeit für meine Frau! In der Klinik ist das alles natürlich auch möglich, aber deutlich schwieriger wegen der strikteren Arbeitszeiten.

Wie sieht es denn während der Weiterbildung zum Facharzt aus?

Auch da lassen sich Familie und Beruf gut miteinander vereinbaren, heutzutage vielleicht sogar noch einfacher als früher. Als meine Frau und ich noch in der Weiterbildung waren, war der organisatorische Aufwand, den man mit der Weiterbildung hatte, riesig. Rechtzeitig eine geeignete Anschlussstelle zu finden, war in der Allgemeinmedizin ziemlich schwer. Heute gibt es vielerorts Weiterbildungsverbünde, die alles Organisatorische für einen übernehmen und einem so die Weiterbildung vereinfachen. Eine klare Weiterbildungszeit mit klaren Einkommensverhältnissen erleichtert einem sicherlich den großen Schritt einer Familiengründung.

Warum würden Sie jungen Medizinern empfehlen, sich niederzulassen?

Wem die Work-Life-Balance und Flexibilität wichtig sind, für den ist die Niederlassung eine gute Option. Die vielfältigen Möglichkeiten im niedergelassenen Bereich zu arbeiten – zum Beispiel in eigener Praxis, als angestellter Arzt in Voll- oder Teilzeit oder als Partner in einer Gemeinschaftspraxis – das sind die Haupt-Pluspunkte. Man kann selbst entscheiden, wie man seine »Arbeitswelt« gestalten möchte – ein mehr an Familienleben ist da kein Problem. Und selbst unsere sechsköpfige Familie lässt sich durch diese Arbeit gut ernähren!

Was raten Sie Absolventen?

Wählt ein Fach, in dem ihr euch vorstellen könnt, auch in 30 Jahren noch mit Herz und Spaß zu arbeiten. In der Niederlassung ist dies gut möglich – bei mir haben sich zumindest nach fast zwölf Jahren Praxistätigkeit noch keine Ermüdungserscheinungen eingestellt.