Jobsharing-Modell

Schritt für Schritt in die Niederlassung

Daniel Herden hat zwei Jahre lang zwischen ambulanter und stationärer Tätigkeit gewechselt: Als angestellter Arzt teilte er sich den Arztsitz in einer Gemeinschaftspraxis, den Job im Krankenhaus behielt er in dieser Zeit bei. Heute ist er in der Gemeinschaftspraxis sein eigener Chef. Wie er das Jobsharing-Modell findet und was er an der Niederlassung bevorzugt, erklärt er im Interview.

Seit 1. Oktober 2016 führt Daniel Herden die Gemeinschaftspraxis in Oberhausen, in der er zuvor in einem Jobsharing-Modell als angestellter Arzt praktizierte. Foto: © Aliki Monika Panousi

Herr Herden, warum haben Sie sich für den Schritt in die Niederlassung entschieden?
Der Reiz in die Praxis zu gehen, lag für mich darin, eigenverantwortlich arbeiten zu können. Ich bin unabhängig von komplexen Strukturen, die zum Beispiel das Krankenhaus mit sich bringt. In zehn Jahren Krankenhaustätigkeit hatte ich zudem das Gefühl, für viele meiner Kollegen mitarbeiten zu müssen. Das habe ich in der Praxis nicht mehr, hier bin ich mein eigener Herr. Ich stimme mich inhaltlich mit meiner Kollegin Annette Brunöhler ab, aber es gibt niemanden mehr, für den ich noch mitarbeiten müsste.

Wie sind Sie auf die Gemeinschaftspraxis der Brunöhlers und das Jobsharing-Modell gestoßen?
Als langjähriger Klinikarzt war mir klar, dass ich nicht in alle Ewigkeit im Krankenhaus bleiben will. Allerdings hatte ich noch gar keine Bemühungen in Richtung Niederlassung angestellt, als meine damalige Oberärztin mich darauf ansprach. Sie ist privat mit den Praxisinhabern Ulrich und Annette Brunöhler befreundet, die nach einer Möglichkeit der Nachfolge suchten. Wir lernten uns kennen, fanden uns gleich sympathisch, zwei Monate später rief mich Herr Brunöhler an und fragte, ob ich für ein paar Stunden in der Woche als Angestellter einsteigen will.

Zunächst wusste keiner von uns, wie das Jobsharing-Modell genau funktioniert. Die Niederlassungsberatung der KV hat uns bei den formellen Schritten sehr geholfen, zumal wir alle bereits im Hinterkopf hatten, dass ich als Nachfolger von Herrn Brunöhler in Frage komme. Für mich war das Jobsharing-Modell ein gutes Angebot mit ganz wenig Risiko. Ich hätte im ersten Jahr ohne weiteres ins Krankenhaus zurückkehren können.

Wie sah Ihre Arbeitswoche mit dem Jobsharing-Modell aus?
Angefangen habe ich im Januar 2015 mit einem Tag pro Woche als Jobsharing-Angestellter, die restlichen vier Tage arbeitete ich weiterhin im Krankenhaus. Für den Alltag war das zunächst belastend, da man ja in zwei Bereichen gleichzeitig berufliche Verantwortung übernimmt. Die Arbeitswirklichkeit in der Praxis ist ganz anders als im Krankenhaus; das braucht eine gewisse Gewöhnung.

Fühlten Sie sich auf die Nachfolge durch das Jobsharing-Modell gut vorbereitet?
Ein großer Vorteil war, dass ich mich mit beiden Kollegen ständig austauschen konnte. Im Januar 2016 habe ich meine Arbeitszeit noch einmal verdoppelt, so dass ich montags und mittwochs in der Praxis war. Zur Mittagszeit haben wir uns zusammengesetzt und alle Themen, die sich aus meiner Arbeit ergaben, besprochen. Herr Brunöhler gab mir Tipps zu bestimmten Fällen und auch administrative Fragen konnte ich immer gleich klären.

Worin unterscheidet sich die Arbeit als niedergelassener Arzt von der als angestellter?
Als Angestellter steht man nicht unter dem Druck, sofort zu wissen, welche Leistungsziffern man für die KV eingeben muss und wie sich diese ökonomisch auswirken könnten. Das war ein Luxus im Vergleich zu denen, die ohne Vorbereitungszeit in die Niederlassung gehen und Dinge tun müssen, die einem so vorher niemand erklärt hat. Insofern habe ich mich ganz behütet gefühlt.

Für den eigentlichen Übergang hatten wir durch das Modell ausreichend Zeit: Mit der Beratungsstelle der KV konnten wir die nächsten Schritte planen, vertragliche Dinge besprechen und Fragen bezüglich des Zulassungsverfahrens klären. Die Regelungen zur Nachfolge sind nicht zu unterschätzen. Wir sind ja Mediziner und keine Juristen.

Jobsharing – die beste Art in eine Praxis einzusteigen?
Ich kann mir kaum vorstellen, dass es anders funktioniert. Ab dem ersten Tag auf eigene Rechnung zu arbeiten, mich gleichzeitig mit den Patienten bekannt zu machen, Vertrauen zu gewinnen und sich mit den vielen Details vertraut zu machen – dass ich das vorher schon lernen konnte, ist von unschätzbarem Wert.

Seit 1. Oktober 2016 führen Sie nun die Praxis als niedergelassener Arzt …
... und ich habe ein wunderbares Team und einen sehr netten Patientenstamm. Das ist ein großer Unterschied zum Krankenhaus, in das die Menschen meist nicht wegen der dort arbeitenden Ärzte gehen. Jetzt kommen meine Patienten in die Praxis, weil hier mein Name unten an der Tür steht. Und das fühlt sich richtig gut an.