Kolumne Mercedes Richter
Kolumne

Was ich von Scrubs und Dr. House gelernt habe

Warum die Schwarzwaldklinik besser als Dr. House ist? Medizinstudentin Mercedes Richter erzählt es in unserer Kolumne.

Mercedes Richter lernte in einer Vorlesung, dass Dr. House eindeutig zu schroff ist. Sie selbst will sich bei der Patientenkommunikation an einem Arzt aus Cottbus orientieren. © Chris Noltekuhlmann


Eine Frage hören Medizinstudierende immer wieder: Wieviel Scrubs, Grey’s Anatomy oder Dr. House stecken im Arztalltag? Die Antwort darauf ist einfach: nicht viel. Natürlich kannte ich all diese Serien, als ich vor acht Semestern mit dem Humanmedizinstudium an der Charité begonnen habe – und sie haben mich sicherlich auch beeinflusst. Aber den wahren ärztlichen Alltag erfährt man nicht aus Serien, sondern während der ersten Famulaturen und praktischen Übungen. Denn was bei Scrubs und Co. dreimal pro Folge passiert, erlebt eine Chirurgin oder ein Chirurg vielleicht einmal in der Karriere. Die Serien sind allerdings gut geeignet, um sich mit medizinischen Fachbegriffen und seltenen Krankheitsbildern zu vertraut zu machen. Und sie geben Einblicke in die Arzt-Patienten-Kommunikation. In eine unserer Vorlesungen hat ein Dozent einmal eine Dr.-House-Folge mitgebracht, als negatives Beispiel. Ergebnis: Dr. House ist eindeutig zu schroff. Als Positivbeispiel für eine gelungene Arzt-Patienten-Kommunikation wurde ein Ausschnitt aus der Schwarzwaldklinik gezeigt, wo es deutlich einfühlsamer zuging.

Ich muss nicht ständig auf die Galapagosinseln


Aber auch hier ist es so, dass ich in der Praxis am meisten gelernt habe. Sehr großen Vorbildcharakter hat für mich ein Arzt, mit dem ich während meiner Famulatur in Cottbus zusammengearbeitet habe. Er hat eine Ruhe und Ehrlichkeit, die mich sehr beeindrucken. Wo andere rumdrucksen, traut er sich, die Dinge klar zu formulieren. Dabei beschönigt er nichts, ist aber auch nicht schroff, und er lässt – falls nötig – Gesprächspausen zu. Außerdem wird es bei ihm schnell konstruktiv. Er spricht direkt nach der Diagnose Möglichkeiten an, mit der Situation umzugehen. Diese Art der Patientenkommunikation ist mein Ziel.

Die Fachrichtung, auf die ich mich gerne spezialisieren würde, ist übrigens Nephrologie, also Nierenheilkunde. Ein Arzt, den ich während einer anderen Famulatur kennengelernt habe, hat immer gesagt: In der Nephrologie ist im Notfall auch der Notfall zu beherrschen.  Damit meint er: Auch wenn die Nieren versagen, kann man den Patienten noch helfen. Denn selbst wenn scheinbar gar nichts mehr geht, helfen noch die Dialyse und die Transplantation.

Ob ich mich nach dem Studium niederlasse oder in einer Klinik arbeite, kann ich noch nicht sagen. Ich finde es nur wichtig, dass man offen bleibt, sich keinem Weg verschließt und auch seine Work-Life-Balance nicht aus den Augen verliert. Ich muss jetzt nicht ständig zum Surfen auf die Galapagosinseln. Aber man muss eben auch schauen, dass der Stress nicht Überhand gewinnt.