»Gute Medizin ist eine Frage der Kooperation«
Studienentscheidung

»Gute Medizin ist eine Frage der Kooperation«

Mehr als 160 Museen, fast 500 Clubs und Bars, jeden Monat rund 2.700 Veranstaltungen: Wer in Berlin lebt, hat viele Möglichkeiten der Zerstreuung. »Die Stadt ist groß, pulsierend – und es ist sehr herausfordernd, sich dort aufs Medizinstudium zu konzentrieren«, sagt Celine Kaps. Sie selbst hat es geschafft – und darf sich jetzt Dr. Kaps nennen.

»Seit ich einen Berufswunsch artikulieren kann, wollte ich Ärztin werden«, sagt Celine Kaps. Inzwischen hat sie ihr Medizinstudium abgeschlossen und erfolgreich promoviert. © Chris Noltekuhlmann

Als Celine Kaps die Zusage für einen Studienplatz erhielt, kämpfte sie mit gemischten Gefühlen: Einerseits konnte sie endlich Humanmedizin studieren, worauf sie lange hingearbeitet hatte. Andererseits hatte sie einen Studienplatz an der Charité bekommen – und damit in Berlin, der größten und vielleicht auch spannendsten Stadt Deutschlands, die auf jeden Fall eines bietet: viel Ablenkungspotenzial. Hinzu kam: Sie gehörte zum ersten Jahrgang des Modellstudiengangs Medizin an der Charité, sollte also durch frühe Praxismodule besonders gefordert werden. 

Das war vor acht Jahren. Inzwischen hat die 28-Jährige das Studium absolviert, promoviert und erste Bewerbungsgespräche geführt. Wie sie all das in Berlin geschafft hat? »Es braucht eine Weile, um Medizinstudium und pulsierende Großstadt in Einklang zu bringen. Aber als mir das gelungen ist, habe ich den Wechsel zwischen den Welten genossen und von der Situation profitiert.« Da ihr die Stadt half, auch mal abzuschalten, konnte sie sich im Studium umso besser fokussieren. Sie bildete mit Kommilitoninnen Arbeitsgruppen und legte sich verschiedene Lerntechniken zu. Was besonders gut funktioniert hat? »Vor Prüfungen habe ich mir alle Zusammenhänge auf DIN-A3-Papier geschrieben und hatte so eine grafische Übersicht, die mir half, mich zu erinnern.« Im Gegensatz zum klassischen Studiengang sieht Celines  Modellstudiengang vor dem ersten Patientenkontakt keine viersemestrigen Lernphasen und ein Physikum – schon in der ersten Woche steht ein praktischer Anamnese-Kurs auf dem Plan. «Wir wurden sehr früh an das Patientenbett herangeführt.» Das Begleitprogramm zu den Praxiseinheiten: Module, in denen organbezogen und nicht nach Fachrichtungen gelehrt wird. Das sei deutlich lebensnäher, sagt Celine. Denn so würden Ärzte universeller ausgebildet. »Ein Patient stellt sich ja auch nicht vor und sagt: Mein Krankheitsbild gehört in diese eine Fachrichtung. Der Arzt muss den Patienten ganzheitlich sehen und bei Beschwerden in einem Organsystem wenigstens alle Fachrichtungen mit auf dem Schirm haben.«

«Wir müssen nur den Dialog suchen»  

Sie selbst hat sich während des Studiums für die Gynäkologie und Geburtshilfe entschieden. »Durch die operativen Eingriffe und die Begleitung der Geburt ist das ein sehr praktisches Fach. Und mir gefallen handwerkliche Fächer.« Was ihr jetzt noch auf dem Weg zur Fachärztin fehlt, ist eine fünfjährige Weiterbildung zur Gynäkologin und Geburtshelferin. Celine möchte mit dieser in einer Klinik beginnen, um mit möglichst vielen Kollegen und Patienten zusammenzuarbeiten und von einer steilen Lernkurve zu profitieren. 

Nach der Klinik kann sie sich eine Niederlassung als Frauenärztin gut vorstellen, will aber zusätzlich als Belegärztin in einem Krankenhaus arbeiten. Denn gute Medizin ist für sie auch eine Frage der Kooperation und des Miteinanders. »Ich wünsche mir, dass die Verbindung zwischen Klinik und Niederlassung gestärkt wird, da ich es für wichtig halte, dass wir uns austauschen und fachlich immer weiter dazulernen.« Ähnlich sieht sie auch das Verhältnis zwischen etablierten und jungen Medizinern. Ein Beispiel: Dass Überstunden für Ärzte der »alten Schule» oft selbstverständlich sind und junge Ärztinnen und Ärzte mehr Wert auf eine ausgewogene Work-Life-Balance legen, ist für Celine eher eine Chance als ein Zeichen der Entfremdung. »Durch verschiede Sichtweisen auf die Dinge können wir voneinander lernen – wir müssen nur den Dialog suchen.«