»Einen Plan B gab es nicht«
Studienentscheidung

»Einen Plan B gab es nicht«

Lange wehrte sich Max Joop gegen den Gedanken, Medizin zu studieren. Dann entschied er sich um und setzte alles auf eine Karte.

Max Joop möchte beides: als Arzt arbeiten und ausreichend Freizeit haben. © Chris Noltekuhlmann

Als Teenager konnte sich Max viele Berufe vorstellen: zum Beispiel Grafikdesigner in der Werbung oder Architekt. Ausgeschlossen schien für ihn nur eines: »Ich wollte auf keinen Fall Arzt werden.« Denn seine Mutter ist Internistin und seine Schwester studierte damals Zahnmedizin. »Mein jugendlicher Trotz ließ nicht zu, dass ich die gleiche Richtung einschlage«, sagt der heute 26-Jährige. Doch mit der Zeit kam die Einsicht, dass Medizin einfach zu gut zu ihm passt, um sich aus Trotz dagegen zu entscheiden. Also bewarb er sich nach dem Abitur für das Medizinstudium und verwarf die Alternativen. »Einen Plan B gab es nicht. Wäre ich nicht angenommen worden, hätte ich alt ausgesehen.«

Die Abfuhr blieb aus. Max wurde angenommen und studiert jetzt Medizin in Hannover. Derzeit absolviert er das zweite Tertial seines praktischen Jahres in seinem Wahlfach Rehabiliatationsmedizin und Physikalische Therapie an der Uniklinik. Dort lernt er Ansätze wie die Triggerpunkttherapie, bei der Muskelverhärtungen unter anderem durch manuelle physiotherapeutische Behandlungstechniken gelöst werden sollen. »Ich mag die Idee, bei der Behandlung mit möglichst wenig Geräten auszukommen«, erklärt er.

Durch konservative Orthopädie möchte er viel über den Bewegungsapparat erfahren. »Ich sehe mich später eher in der Allgemeinmedizin, fände es aber frustrierend, bei jeder Kleinigkeit an den Orthopäden überweisen zu müssen. Deshalb interessiert mich die Zusatzbezeichnung Manuelle Medizin.« Voraussetzung dafür sind ein abgeschlossenes Medizinstudium und die Approbation. Will ein Arzt die Zusatzbezeichnung erhalten, muss er einen entsprechenden Kurs belegen, sich 320 Stunden weiterbilden und eine Abschlussprüfung bestehen. 

»Ich möchte Patienten lange begleiten«

Vorerst verfolgt Max Joop aber ein anderes Ziel: »Ich möchte mich niederlassen – vielleicht in einer Praxisgemeinschaft oder Gemeinschaftspraxis.« Denn ihm gefällt die Aussicht auf flexible Arbeitszeiten, eine ausgewogene Work-Life-Balance und regelmäßigen Kontakt zu den Patienten. »Ich möchte Patienten über einen längeren Zeitraum begleiten. Das macht es einfacher, das ganze Bild zu sehen und Krankheitsverläufe entsprechend einzuordnen und zu behandeln.«

Wo er das machen möchte, weiß der gebürtige Rintelner noch nicht. Denn einerseits schätzt er sein Studentenleben in der Stadt: In Hannover singt er im Hochschulchor, besucht regelmäßig Museen oder geht ins Theater. Andererseits kann er sich auch eine Niederlassung auf dem Land gut vorstellen. »Es klingt zwar banal, aber immer, wenn ich meine Eltern in Rinteln besuche, denke ich: Wow, so sieht es nachts also aus, wenn es richtig dunkel ist«, sagt Max. »Und dann ist da noch diese Ruhe. Auf dem Land lassen sich Beruf und Familie einfach super verbinden.«