Arzt als Arbeitgeber

Plötzlich Chef

Mit der eigenen Praxis wird man nicht nur sein eigener Chef, man trägt auch die Verantwortung für seine Mitarbeiter. Auf die neue Rolle als Unternehmer und Arbeitgeber kann man sich vorbereiten.

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Eine Arztpraxis ist ein Unternehmen: 550.000 Angestellte werden von niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten beschäftigt. Angesichts dieser Größenordnung gehören Ärzte zu den wichtigen Arbeitgebern des Landes. Im Studium und während der Weiterbildung geht es um die medizinische Ausbildung, wenn man den Schritt in die Selbstständigkeit macht, ist man plötzlich Chef – mit allen Rechten und Pflichten, die dazugehören. In der Klinik gibt es Dienstpläne und klare Hierarchien, in der eigenen Praxis organisiert man die Arbeitsabläufe selbst und ist nicht nur für die Patienten verantwortlich, sondern auch für das Praxispersonal. Über den Erfolg einer Praxis entscheiden nicht nur die medizinischen Fähigkeiten des Arztes, sondern auch das Zusammenspiel mit dem Praxisteam.

Verantwortung kann man lernen

Auf die neue Rolle als Arbeitgeber und Unternehmer können sich Ärzte schon in der Weiterbildung vorbereiten. Die Kassenärztlichen Vereinigungen bieten zahlreiche Seminare und Workshops an, in denen es neben dem betriebswirtschaftlichen Know-how auch um das Personalmanagement geht. Seit einigen Jahren spielt die Vorbereitung auf die Arbeit im ambulanten Bereich auch an den Universitäten eine größere Rolle. Die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München bietet den Medizinstudierenden bereits seit 2008 mit dem Seminar »Arzt und Unternehmer – Lern, wie deine Praxis läuft« ein Training für das Leben als Praxisinhaber. Auf dem Seminarplan steht nicht nur die Entwicklung eines Businessplans, es geht auch um Themen wie Arbeitsrecht, Mitarbeiterverträge und die Arbeitsorganisation in der Praxis.

Ein ähnliches Projekt hat das Allgemeinmedizinische Institut der Universität Erlangen mit dem »Planspiel: Arzt und Unternehmer« initiiert. Das Wahlpflichtfach wird in jedem Sommer- und Wintersemester angeboten, die Studierenden erhalten Tipps von Niederlassungsexperten und werden das ganze Semester von einem Coach betreut.

Ein gutes Team

Die ersten Eindrücke, die Patienten von einer Arztpraxis gewinnen, entstehen durch ihre Mitarbeiter. Sie vergeben die Termine, begrüßen die Patienten im Empfangsbereich und begleiten sie beim ersten Besuch in die Warte- und Sprechzimmer. Das Team wird so zum Aushängeschild der Praxis. Die meisten Angestellten in einer Praxis sind Medizinische Fachangestellte (MFA). Sie halten den reibungslosen Praxisbetrieb aufrecht und kümmern sich dabei nicht nur um die organisatorischen Aufgaben, sondern assistieren dem Arzt bei der Behandlung und unterstützen ihn bei der Betreuung der Patienten. Ein gut eingespieltes Praxisteam entlastet den Arzt und gibt ihm die Möglichkeit, sich vor allem auf die ärztlichen Aufgaben konzentrieren zu können.
 
Für die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Team ist es wichtig, dass der Praxisinhaber sich seiner Verantwortung als Arbeitgeber bewusst ist. Neben dem Erstellen von Dienstplänen und der Organisation der Arbeitsabläufe gehören dazu eine faire Bezahlung, das Schaffen einer guten Arbeitsatmosphäre und die Motivation der Mitarbeiter. Regelmäßige Teambesprechungen helfen nicht nur, die Abläufe in der Praxis zu optimieren, sie liefern dem Arzt auch einen Eindruck über die Stimmung im Team. Ein guter Chef sollte seine Mitarbeiter im Blick haben und ihnen Aufgaben übertragen, die ihren Fähigkeiten entsprechen. Zur Stärkung der Motivation kann der Praxisinhaber die Vereinbarkeit von Beruf und Familie unterstützen, seinen Mitarbeitern regelmäßige Fortbildungen ermöglichen, ihnen durch Jobrotation neue Aufgabenbereiche anbieten und dadurch berufliche Entwicklungsmöglichkeiten eröffnen, von denen auch die Praxis profitiert.

Ärzte beschäftigen Ärzte

Seit einigen Jahren gibt es für Ärzte mehr Möglichkeiten, auch in der ambulanten Versorgung als Angestellte zu arbeiten. Und diese Chance wird genutzt: Von 2006 bis 2015 ist der Anteil der angestellten Vertragsärzte von 2,8 auf 18 Prozent gestiegen. Nicht nur Medizinische Versorgungszentren (MVZ) können Ärzte anstellen, auch selbstständig tätige Ärzte haben die Möglichkeit, Kollegen mit abgeschlossener Facharztausbildung zu beschäftigen. Die Praxisinhaber können Ärzte anstellen, die in das Arztregister eingetragen sind, zu den weiteren Voraussetzungen gehören ein freier Arztsitz und die Genehmigung des Zulassungsausschusses. Dass die Arbeit als angestellter Arzt im ambulanten Bereich im Trend liegt, belegen auch Umfragen unter Studierenden. Der medizinische Nachwuchs schätzt die Arbeit im Team, die Sicherheit einer Anstellung und die Gestaltungsmöglichkeiten, die die Arbeit in der Niederlassung bietet. Und ganz nebenbei kann man als angestellter Arzt in einer Praxis auch ganz in Ruhe lernen, wie man ein guter Chef wird.