Praxisalltag

Was dich als Arzt erwartet

Wie sind deine Arbeitsbedingungen und welche Faktoren beeinflussen dein tägliches Leben und Arbeiten? Hier erfährst du mehr darüber.

Sprechzimmer einer Arztpraxis

Als Arzt hast du eine Vielzahl von Möglichkeiten, deine Arbeit und die Art der Beschäftigung zu gestalten. Du kannst dich in einer Praxis oder einem Medizinischen Versorgungszentrum anstellen lassen – aber auch eine eigene Praxis eröffnen, entweder als Einzelpraxis oder in Form einer Gemeinschaftspraxis oder Praxisgemeinschaft.

Als niedergelassener Arzt bist du nicht abhängig von Dienstplänen und Vorschriften eines großen medizinischen Betriebs – und bestimmst selbst, welche Schwerpunkte du in deiner Praxis setzt und wie du deine Arbeit organisierst. Doch auch, wenn du selbstständig und eigenverantwortlich arbeitest, bist du nicht allein – denn die Kassenärztliche Vereinigung (KV) unterstützt dich.

Selbständig, eigenverantwortlich – unterstützt durch die KV

Die KVen helfen niedergelassenen Ärzten, sich untereinander zu vernetzen, um einen fachlichen und persönlichen Austausch zu pflegen. Sie unterstützen beispielsweise mit finanziellen und organisatorischen Mitteln die sogenannten Qualitätszirkel, in denen Ärzte sich freiwillig zusammenschließen, um gemeinsam ihre Behandlungspraxis kritisch zu analysieren und die Therapie für die Patienten zu verbessern. Auf diese Weise kannst du dich regelmäßig mit Kollegen austauschen, auch wenn du nicht in einer Praxis mit ihnen zusammenarbeitest.

Auch als niedergelassener Arzt kannst – und musst – du dich regelmäßig fortbilden. Das ist wichtig für dich und deine Patienten. So verlierst du nicht den Anschluss an aktuelle Entwicklungen und neue medizinische Erkenntnisse. Unter anderem bietet auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) auf ihrem Internetportal unabhängige, zertifizierte Internetfortbildungen an. Auch die regionalen KVen bieten eigenen Fortbildungsveranstaltungen an – und zwar sowohl als Präsenzveranstaltungen vor Ort, als auch im Internet.

Umfrage unter Klinikärzten: Hohe Belastung – niedrige Zufriedenheit

Niederlassen kannst du dich direkt nach der abgeschlossenen Facharztausbildung. Aber auch nach einigen Jahren Krankenhaus streben viele in die eigene Praxis. Dabei ist die Zufriedenheit der niedergelassenen Ärzte sehr hoch, wie der Ärztemonitor der KBV und des NAV-Virchowbundes zeigt: Mehr als 90 Prozent der Praxisärzte macht ihre Tätigkeit Spaß, über 80 Prozent würden ihren Beruf wieder ergreifen. Eine Umfrage des Marburger Bundes unter Klinikärzten 2015 zeigt hingegen, womit angestellte Krankenhausärzte in ihrem Berufsalltag besonders hadern:

  • So arbeiten 70 Prozent der Befragten mehr als 48 Stunden pro Woche, knapp ein Viertel arbeitet sogar 60 Stunden und mehr. Die meisten bekommen für Überstunden zwar einen Freizeitausgleich – aber 28 Prozent der befragten Klinikärzte bekommen die Extra-Arbeitszeit weder bezahlt noch ausgeglichen.
  • Durch die Arbeitszeiten fühlen sich 72 Prozent gesundheitlich beeinträchtigt, 59 Prozent fühlen sich durch ihre Tätigkeit psychisch belastet, mehr als drei Viertel der Befragten (77%) geben sogar an, dass ihr Privat- und Familienleben unter der Arbeit leidet.
  • Fast 70 Prozent sagen, dass ihnen in der Klinik zu wenig Zeit für die Patienten bleibt.
  • Nur sechs Prozent fühlen sich in ihrer ärztlichen Diagnose- und Therapiefreiheit tatsächlich frei. 21 Prozent geben an, darin selten beeinflusst zu werden; bei fast drei Viertel der Befragten ist das manchmal (34%), häufig (30%) oder fast immer (9%) der Fall.
  • Insgesamt 46 Prozent der Klinikärzte, die an der Befragung des Marburger Bunds teilgenommen haben, erwägen sogar, ihren jetzigen Job aufzugeben.

Hier findest du alle Befragungsergebnisse des MB-Monitors 2015. Zum Vergleich kannst du dir hier den Ärztemonitor 2014 anschauen, für den die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen befragt wurden.