Weiterbildung

»Ich habe gelernt, an meine Grenzen zu gehen«

Sie ist Ärztin, Bloggerin, Journalismusstudentin – und jetzt auch Notarztpraktikantin. Ulrike Koock ruht sich ungern auf Erreichtem aus. Ihr Antrieb: Neues erfahren, dazulernen, Hauptsache nicht stehenbleiben. Geprägt hat sie dabei die koreanische Kampfkunst Taekwondo.

Nach ihrer Zeit in der Klinik fand Dr. med. Ulrike Koock über Umwege in die Niederlassung. © Chris Noltekuhlmann

Vor 15 Jahren, als sie sich so intensiv wie nie zuvor mit dem Sport, beschäftigte, nahm Ulrike Koock an einem Taekwondo-Trainingslager in New York teil. Dort setzte sie sich unter anderem mit Tugenden wie Geduld, Durchhaltevermögen und Selbstdisziplin auseinander. »Ich mochte das Konzept, sich so stark zu konzentrieren, dass man an nichts Anderes denken kann«, sagt sie. »So habe ich gelernt, an meine Grenzen und darüber hinaus zu gehen.« Und das habe ihr im Klinikalltag sehr geholfen. Denn die zweifache Mutter musste nach ihrem Studium regelmäßige Wochenenddienste und Überstunden in einem Bad Nauheimer Krankenhaus mit dem Familienleben in Einklang bringen, »was kaum zu schaffen war«.

Daher fand sie über Umwege in die Niederlassung, wo sie gerade ihre Weiterbildung zur Fachärztin für Allgemeinmedizin absolviert. Nach einem Ausflug in die Forschung entschied sie sich für eine Landarztpraxis im hessischen Altenstadt. Noch selbstständiger arbeiten als in der Großstadt, mehr Natur in der direkten Umgebung, weniger Sorgen um die Kinder: Das Landleben hatte sie schon immer gereizt. In der Gemeinde in der Wetterau fand sie es. »Meine Kinder können sich hier frei bewegen und auch mal zu Freunden gehen«, sagt die 37-Jährige. »Ich muss sie nicht bei jedem Schritt begleiten und aufpassen, dass nichts passiert.« Und auch die Arbeit in der Hausarztpraxis weiß sie zu schätzen. »Hier ist die Facharztdichte nicht so hoch wie in der Stadt. Das führt dazu, dass wir nicht so oft überweisen und mehr Möglichkeiten haben, Diagnostik und Behandlung selbst zu machen.« Von der physikalischen Therapie über das Belastungs-EKG bis zur Sonografie: Ihr Arbeitstag ist zwar vielfältig, hindert sie aber nicht an der Suche nach weiteren Herausforderungen.

Derzeit arbeitet sie in Teilzeit (50 Prozent) und auf den Abschluss ihrer Weiterbildung hin. Nach ihrem Praxisdienst organisiert sie den Familienalltag. Und wenn sie die Zeit findet, geht sie schwimmen, fährt Mountainbike, schreibt über ihre Erfahrungen als Ärztin auf ihrem Blog www.schwesterfraudoktor.de und lernt per Fernstudium Journalismus. »Ich habe einfach einen sehr großen Wissensdurst«, sagt sie. Doch im Fernstudium geht es derzeit nicht so schnell voran wie in den Wochen zuvor. Denn Ulrike Koock hat in 80 Stunden einen Notarztkurs abgeschlossen und steht jetzt vor den 50 vorgeschriebenen Fahrten. Wie es dann weitergeht? »Die Facharztweiterbildung und das Studium beenden – und dann mal schauen. Das Schöne an der Allgemeinmedizin ist ja ihre Vielfalt. Dieses Feld ist so groß, dass man ständig dazu lernen kann.«